
Review: Michael Segets
Fehlendes Selbstbewusstsein kann man Paul Cauthen kaum nachsagen. Nachdem er feststellte, dass es in der Bibel kein Buch Paul gibt, fühlte er sich berufen, diese Lücke zu schließen und selbst eins zu verfassen. Sein bissiger Humor und seine schonungslose Offenheit durchziehen Cauthens Songs. Auf dem Titeltrack des neuen Albums „Book Of Paul“ beteuert er den Wahrheitsanspruch, den sein Werk als persönliches Bekenntnis erhebt.
Dabei kommen eher dunkle Seiten und weltliche Fehltritte zum Vorschein als metaphysische Schwärmereien. Lediglich der gebetsartige Abschluss des Longplayers „The Voice Inside“ offenbart einen religiösen Hintergrund. Eine gewisse innere Zerrissenheit durchzieht die aktuellen Texte wie auch schon die auf „Room 41“.
Musikalisch hat Cauthen erfreulicherweise die Kurve bekommen. Während er seine eigenwillige Mischung aus Country, Disco-Beats und Rap auf „Country Coming Down“ zu einem experimentellen Höhepunkt führte, fährt er nun das Crossover zurück und wendet sich wieder deutlicher dem Country zu. Dennoch finden sich noch Reminiszenzen an seine vorherige Phase wie auf der Vorabauskopplung „Texas Swagger“. Hier funktioniert die Mischung allerdings.
Mit dem Titeltrack sowie den beiden Singles „Ain’t No Crime“ und „Bayou By You“ wandelt er konsequent auf Country-Pfaden. Der genretypische Sound wird gelegentlich leicht modernisiert und wirkt frisch („Cigarettes & Billy Graham“). Cauthen baut zwar ab und zu ein paar ungewöhnliche Klänge ein, wie ein leichtes Bellen bei „Road Dog“, die sich aber in die Songs einpassen. Daneben kommen auch eher klassisch anmutende Kompositionen zum Tragen wie das Duett „Tossin‘ Back Time“ mit Jake Worthington oder „Blue Denim & Black Gold“, dem einzigen Stück, bei dem Cauthen als Verfasser nicht die Finger mit im Spiel hat.
Für die äußerst stimmungsvolle Ballade „Chain Smoking“ holt er sich Delaney Ramsdell mit ans Mikro. Eine sehr gute Entscheidung, setzt sie doch einen Gegenpart zu seinem kräftigen Bariton. Wie auch auf seinen früheren Werken finden sich auf dem aktuellen Longplayer ebenfalls einzelne Stellen, an denen ich mir weniger Stimmgewalt gewünscht hätte. Diese Passagen treten jetzt aber nur am Rande auf. Den einzigen Titel, den ich zukünftig überblättern werde, ist das rhythmisch und gesanglich anstrengende „Texas Gravel Road“.
Von langsamen Stücken bis zu energiegeladenen Tracks wie „Breakaway“ unterhält das „Book Of Paul“ nahezu durchgängig formidabel. Cauthen orientiert sich wieder mehr an den gängigen Klangwelten des Country und reduziert die Anteile anderer Musikrichtungen. Diese setzt er nun gezielter ein und gibt dem altehrwürdigen Genre so ein moderneres Gewand.
Velvet Rose Records – Thirty Tigers/Open (2026)
Stil: Country, Americana
Tracks:
01. Book Of Paul
02. Ain’t No Crime
03. Texas Swagger
04. Tossin’ Back Time
05. Blue Denim & Black Gold
06. Breakaway
07. Chain Smoking
08. Bayou By You
09. Dark Horse
10. Cigarettes & Billy Graham
11. Road Dog
12. Texas Gravel Road
13. The Voice Inside
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