Danielle Nicole – Fireflies – CD-Review

 

Ich muss ein weiteres Mal zu meiner eigenen Schande gestehen, dass ich Danielle Nicole in meinem ‚musikalischen Leben‘ erst einmal zur Kenntnis genommen habe, und das nicht im Rahmen ihrer Solo-Karriere, sondern mittels einer Scheibe von der Band Trampled Under Foot, die sie mit ihren Brüdern Kris und Nick Schnebelen ziemlich erfolgreich betrieb.

Das Album entstand in einer emotional sehr bewegenden Phase ihres Lebens nach dem Tod von Kris in 2022 durch eine Krebserkrankung. Obwohl es ihr aufgrund ihrer Trauer zunächst schwerfiel, die Songs fertigzustellen, fand sie durch die Zusammenarbeit mit dem Gitarristen Brandon Miller und dem legendären Keyboarder Jim Pugh neue Inspiration. Für die Aufnahmen zum Album verwendeten die Musik Kris‘ Schlagzeug, was das Album um eine weitere emotionale Ebene erweitert.

Das fantastische Werk – um es vorwegzunehmen – ist eine Lehrstunde, wie man verschiedene Musikstile, wie Blues, Rock, Southern Rock, Soul und R&B zu einer in sich stimmigen Einheit verschmelzen lassen kann.

Gerade Danielles Gesang, nachdem ich in den letzten Wochen so manches in der Hinsicht bei anderen Alben habe erleiden müssen, ist ein wahre Wonne, da passt einfach alles zum Stil der Songs, selbst in feinsten Nuancen. Das ist, was eine Weltklasse-Sängerin dann am Ende auch ausmacht.

Brandon Miller brilliert mit seinem großartigen E-Gitarrenspiel, er könnte eigentlich auch in jeder Southern Rock-Band problemlos auftrumpfen. Auch Luther Dickinson macht bei seinem Gastspiel bei „Take Me Back“ einen Klasse-Job. Jim Pugh ist dann immer mit dem richtigen Tastenspiel zur Stelle. Selbst bei den großartigen Background Vocals von Melodye Perry und Maxayne Moriguchi (u. a. beim herrlichen Opener „Radical Love“) wird nichts dem Zufall überlassen.

Neben den erwähnten Tracks sind für mich persönlich, die beiden soulig dahinschunkelnden „Soulside“ und „Tug Of War“ weitere Highlights in einem durchgehend starken Album. Das frech ‚hingerotzte‘ „Gaslight“ macht genausoviel Laune wie das später im Stile einer Sade hingesäuselte „Chameleon“. Der Titel steht auch förmlich auch für die Wandlungsfähigkeit ihrer fantastischen Stimme.

Danielle Nicole wird mit ihrem neuen Album „Fireflies“ nicht nur viele Würmchen zum Glühen bringen, sondern hat jetzt auch noch einen neuen glühenden Verehrer ihrer Musik…!

Eigenproduktion (2026)
Stil: Blues/Rock/Soul/R&B

Tracklist:
01. Radical Love
02. Take Me Back
03. Memories
04. Soulside
05. Gaslight
06. Piper
07. The Same Love That Made Me Laugh
08. Chameleon
09. Tug Of War
10. Dreams
11. Fireflies

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North Mississippi Allstars – Up And Rolling – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Zurück zu den musikalischen Wurzeln! Das scheint der Leitgedanke der North Mississippi Allstars auf ihrer neuen CD „Up And Rolling“ zu sein.

Was das Stöbern in alten Fotoalben doch so alles bewirken kann: Die Inspiration für die Aufnahmen kam den Dickinson-Brüdern durch Bilder des texanischen Fotografen Wyatt McSpadden der 1996 die Hill Country Blues-Szene in Mississippi dokumentierte. Die Songs auf dem 10. Studioalbum sind daher in erster Linie eine Würdigung und Anerkennung regional beachteter Künstler wie Otha Turner und Junior Kimbrough.

Die große Bedeutung der Einflüsse dieser Künstler durchströmt die Recordings der Band, die damit auch ihre eigene biographische Note ins Album einbringt. Das leicht desert-rockige aber vom Fife-And-Drum-Stil dominierte „Call That Gone“ ist ein außergewöhnlicher und exzentrischer Einstieg ins neue Album.

Der nicht nur Sound-technisch im Spill The Wine-Style produzierte Titel-Track „Up And Rolling“ ist ein auch textlich in Drogen-Bezügen verankerter Song und erinnert noch mal an die „Botschaft“ dieses Longplayers: „We love to play these hill country blues ‚til you satisfied“.

Der Staple Singers Vintage-Gospel-Track und unwiderstehliche Stomper „What You Gonna Do?“ auf dem sich Mavis Staples höchstpersönlich dazu gesellt, ist eine berauschende Version des Hits vom 1965er Album „Freedom Highway“. Die Dickinson-Brüder haben zudem weitere hochkarätige Gäste für den Longplayer versammelt.

Auf dem T-Bone Walker Track „Mean Old World“ überkommt sogar dem Americana-Rocker Jason Isbell der Blues und auch Duane Betts scheint sich fernab des Southern-Rocks pudelwohl zu fühlen, als sich der Song am Ende zu einem 6-minütigen Boogie-Jam entwickelt.

Aber auch der Roadhouse Blues “Out On The Road” unter Beteiligung von Cedric Burnside (Sohn von Blues-Legende R.L. Brunside), das dunkel gestimmte „Lonesome In My Home“, das funkige “Bump That Mother” sowie die sozial-kritischen Ausflüge auf “Living Free” zeigen die vielseitigen Song-Arrangements dieser in Bestform aufgelegten North Mississippi Allstars.

Kris Kristoffersen-Country und Garth Brooks-Tendenzen gibt es auf dem Gospel getränkten “Take My Hand, Precious Lord”, auf dem ebenfalls Cedric Burnside mitwirkt. Das letzte Stück „Otha‘s Bye Bye Baby“ ist eine nachträgliche Ehrerbietung an Otha Turner, das Luther Dickinson 1996 mit dem Blues-Veteranen aufgenommen hat und damit jetzt einen denkwürdigen Schlusspunkt unter das neue Album setzt.

„Up And Rolling“ von den North Mississippi Allstars ist ein facettenreicher Longplayer, der sich gegen den überbordenden Pop-Arrangement-Trend in der Blues- und Country-Musik wendet und voller herzhafter, biographischer Komponenten und Bezüge der Südstaaten-Band ist.

Luther und Cody Dickinson zeigen mit ihrer neuen Scheibe, dass man mit kreativen Ideen und herausragenden Songwriting-Skills heutzutage immer noch ein klassisches Blues-Country-Album in der Tradition ihrer Heimat produzieren kann.

New West Records (2019)
Stil: Blues-Rock, Roots-Rock, Country

Tracklist:
01. Call That Gone
02. Up And Rolling
03. What You Gonna Do? (feat. Mavis Staples)
04. Drunk Outdoors
05. Peaches
06. Mean Old World (feat. Jason Isbell and Duane Betts)
07. Out On The Road (feat. Cedric Burnside)
08. Lonesome In My Home
09. Bump That Music
10. Living Free
11. Take My Hand, Precious Lord (feat. Cedric Burnside)
12. Otha‘s Bye Bye Baby (feat. Otha Turner)

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