Texas Hippie Coalition – Stoned Cowboys – Digital Album-Review

Review: Michael Segets

Ihr fünfundzwanzigjähriges Jubiläum begeht die Texas Hippie Coalition (THC) mit einem Doppelschlag. Sie bringt zeitgleich ihren neunten und zehnten Longplayer heraus. Wenn man sich nun fragt, warum nicht ein Doppelalbum in den Regalen steht, dann lautet die Antwort, dass die getrennte Veröffentlichung durch die unterschiedlichen Stile gerechtfertigt ist. „Stoned Cowboys“ und „Band Of Outlaws“ unterscheiden sich musikalisch deutlich.

Beim letztgenannten Werk verfolgen THC konsequent das, was sie Red Dirt Metal nennen. Das Quintett um Bandleader Big Dad Rich brettert ohne Kompromisse los. Verschnaufpausen gönnt sich die Band kaum. Zwar gibt es mal ein Intro oder eine Passage, die etwas zurückgenommen sind, aber die Songs gehen durchweg ein hohes Tempo mit ordentlichem Wumms. „Band Of Outlaws“ erscheint noch einen Tick härter und konsequenter als „Gunsmoke“. Die Zielgruppe liegt hier eindeutig auf Metal-Fans.

Etwas anders verhält es sich bei „Stoned Cowboys“. Die CD könnte für unseren Leserkreis interessanter sein. Wenn Big Dad Rich zum Einstieg bei „Damned Ol‘ Country Song“ verspricht, „we’re about to go Country“, dann legt er das Genre auf seine eigene Art und Weise aus. „Stoned Cowboys“ ist letztlich ein Rockalbum, das mehrfach auf den Country rekurriert. So kommt beim erwähnten Stück eine Geige zum Einsatz oder etwas Slide bei dem erstklassigen „Songs In The Rain“. „High In The Saddle“ oder „Rope The Wind“ gehen nicht nur thematisch, sondern auch musikalisch noch als Countrybeiträge durch.

Kräftig schallende Gitarren, treibender Rhythmus sowie der Gesangsstil beim Opener „Fire Fire“ und dem folgenden „Last Of The Outlaws“ zeigen, dass die Band im Rock der härteren Gangart verwurzelt ist. Während „No Relations“ deutlich erdiger in Richtung Southern angelegt ist, stammen Rhythmus und Gitarrenlauf bei „Down Comes A Hammer“ aus der Hardrock-Sparte. „Bring Me The Moon“ vereint die beiden Spielarten des Rock.

Die Songs des Albums bleiben melodiös und wären mit den brachial wirkenden Stücken von „Band Of Outlaws“ nicht ohne Bruch vereinbar gewesen. Gesanglich zeigt Big Dad Rich – beispielsweise auf „Put The Gun Down“ – einige Facetten, die ich bei den anderen mir bekannten Veröffentlichungen von THC noch nicht wahrgenommen hatte. Die Bandkonstellation mit Cord Pool und Nevada Romo an den Gitarren, Rado Romo am Bass sowie Joey Mandigo am Schlagzeug ist seit „Gunsmoke“ allerdings konstant geblieben. Das Cover zeigt die Portraits der Musiker in Stein gemeißelt. Mount Rushmore und Deep Purple lassen hier grüßen. Aber der Albumname ist natürlich wieder doppeldeutig.

Der Genre-Mix aus Hardrock, Southern und Country, den die Texas Hippie Coalition auf „Stoned Cowboys“ verfolgt, habe ich in dieser Kombination noch nicht oft gehört. Big Dad Rich und seine Mannen legen ein originelles Album vor, das den Spieß umdreht und nicht Country mit Rock kombiniert, sondern Rock mit Country. Das funktioniert.

BIGDADRECORDS (2026)
Stil: Rock

Tracks:
01. Fire Fire
02. Last Of The Outlaws
03. Put The Gun Down
04. No Relation
05. Damned Ol’ Country Song
06. Writing Songs In The Rain
07. High In The Saddle
08. Bring Me The Moon
09. Down Comes A Hammer
10. Rope The Wind

Texas Hippie Coalition
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Head First Entertainment

Megan Moroney – Support: Colin Lynch – Carlswerk Viktoria, Köln – Konzertbericht

Megan Moroney ist mir bis dato eher nur oberflächlich bekannt gewesen. Ich habe zumindest mit Erstaunen im Februar zur Kenntnis genommen, dass sie zwischenzeitlich, wenn auch nur für eine Woche, mit ihrem aktuellen Longplayer „Cloud 9“ die Nr.1-Alben-Dauerpräsenz der beiden Branchenführer Ella Langley und Morgan Wallen durchbrechen konnte.

Nach der finalen Akkreditierung am Tag zuvor, entpuppte sich die Anreise in die rund 80 km entfernte Domstadt am Spätnachmittag als überraschend entspannt und ich traf recht frühzeitig vor Einlass am Carlswerk Viktoria ein. Doch weit gefehlt. Ich hatte bei meinen bisherigen Besuchen in der Location noch noch nie in einer so langen Warteschlange gestanden.

Eine Heerschar an weiblichen Teenagern und jungen Damen, überwiegend vermutlich im präferierten Look ihres Idols mit Röcken und mit Schleifchen behangenen Cowboyboots gekleidet, hatte sich bereits erwartungsfreudig versammelt. Den überschaubaren Rest bildete wohl erwachsenes Begleitpersonal, Freunde oder Leute wie mich, die aus rein allgemeinen musikalischem Interesse vor Ort waren.

Als Voract gab es die übliche One-Man-Show, diesmal in Persona von Colin Lynch aus Pennsylvania. Der junge Bursche, der Musiker wie Bruce Springsteen, Zach Bryan, Jim Croce oder Jason Isbell als Einflüsse benennt, punktete mit einer selbstbewussten Vorstellung, in Form von Songs aus dem eigenen Fundus (u. a. „4th of July Darlin'“) und zwei ´Covernummern („Dancing On My Own“ von Robyn und  „Love Yourself“ von Justin Bieber).

Bei „Beach Fire Embers“ kam neben Gesang und der Akustikgitarre parallel auch noch das Mundharmonikaspiel zum Einsatz. Die dynamische und sympathische Vorstellung wurde mit viel Applaus zurecht belohnt, Lynch erwies sich als weiteres gutes Beispiel für das schier unerschöpflich erscheinende Reservoir an Talenten in den Staaten.

Nach recht kurz gehaltener Pause war dann die Bühne für Megan Moroney und ihr siebenköpfiges Begleitensemble bereitet. Die Tour ist entsprechend nach dem o. a. Erfolgsalbum benannt und so war es keine Überraschung, dass mit den Songs „Stupid“ und „Medicine“ daraus, in die aus mehreren Abschnitten eingeteilte Show (zwecks Kleiderwechsel – am Ende durften sich die beteiligten Musiker dann immer etwas ausgedehnter instrumentell zeigen) sofort stimmungsträchtig und dynamisch eingestiegen wurde.

Übrigens in Anklang an das Album waren die Farben Rosa und Pink omnipräsent, dazu glitzerten Megans Outfits bis hin zu ihren eingesetzten Gitarren fast in Dauerrotation. Die von Sugarlands Kristian Bush protegierte, aus Douglasville, Georgia stammende Country-Sängerin und -Songwriterin ließ dann ein einziges Feuerwerk an eingängigen und mitsingbaren Tracks ab, das als Highlights in Stücke wie die melancholischen „Who Hurt You“, „Wedding Dress“ und „Hope You Are Happy“ sowie den Hits „Cloud 9“ oder „Tennessee Orange“ mündete.

Das flockige mit ein wenig Heartland-Flair bedachte „Am I OK?“ und das launige „6 Month Later“ als einzige Zugabe beendeten ein stimmungsträchtiges Event einer aufstrebenden Country-Künstlerin mit großen Ambitionen, bei dem ihre Klientel voll auf die Kosten kam. Damit dann auch wirklich alle typischen Klischees bedient wurden, kam Steel Player Justin Schipper auch noch zur Zugabe mit einem FC Köln-Trikot an sein Arbeitsgerät.

Die gewohnten Bilder bei uns vom Gig gibt es nicht, die wurden nur agenturseitig von den skandinavischen Konzerten in überschaubarer Anzahl zur Verfügung gestellt. Während die rund 1.500 Leute lustig mit ihren Handys filmten und knipsten und die Schnappschüsse in, weiß was für einer Qualität ins Netz stellen werden, wurde es professionellen Akteuren seitens des MM-Managements schon im Vorfeld komplett verwehrt. Dabei hätte es dank der attraktiven blonden langmähnigen Protagonistin, dem schönen Bühnenambiente samt der toll gestalteten Video-Bühnenwand im Hintergrund, sicherlich tolle Fotos gegeben.

Das verstehe, wer will, jemand wie ich, der seit fast 30 Jahren erfolgreich in der Werbebranche arbeitet, jedenfalls nicht. Den Megan Moroney-Fans mag das völlig egal gewesen sein, sie hatten jedenfalls an diesem Abend ihren erwartet großen Spaß und schienen während und nach dem Gig begeistert auf Wolke 7 zu schweben, ähm, in diesem Falle wohl besser gesagt, eher auf Cloud 9…

Line-up:
Megan Moroney (lead vocals, guitars)
Justin Schipper (pedal steel)
Riley Lowery (electric guitar)
John Barker (electric guitar)
Lance Martin (guitar, mandolin, banjo)
Alex Shernit (bass)
Eric Pritchard drums)
Haley Sullivan (keys)

Text: Daniel Daus

Megan Moroney
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Colin Lynch
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concertteam nrw
Carlswerk Victoria

Warren Haynes – Dreams & Songs – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Das Symphonic Amadeus Festival in Asheville, North Carolina, war im März 2019 Schauplatz einer außergewöhnlichen Auftaktveranstaltung. Zur Eröffnung spielte das 64-köpfige Orchester zwei Konzerte mit einem der berühmtesten Söhne der Stadt: Warren Haynes, Grammy Award gekrönter Gitarrist, Sänger, Songschreiber, Produzent und Frontman der Band Gov’t Mule, war für die genreübergreifende Kooperation mit ausgewählten Begleitmusikern in das Thomas Wolfe Auditorium gekommen. Entstanden sind damals die Aufnahmen für “Dreams And Songs A Symphonic Journey with the Asheville Symphonic Orchestra”, eine einzigartige musikalische Reise durch die Blues-Rock Jam-Geschichte der vergangenen Jahrzehnte. Kurz vor Ablauf der 60er-Dekade veröffentlichten Deep Purple die Live-Scheibe “Concerto for Group and Orchestra” (1969) und eröffneten mit den bahnbrechenden Aufnahmen eine anhaltende Beziehung zwischen Heavy-Rock und klassischer Musik, die sich in diesem Werk fortsetzt.

Mit einer Reminiszenz an Gregg Allman startet “Dreams” (1969) in den Longplayer, den Haynes (über Jahre Bandmate der Allmans) hier dankbar über 11 Minuten zelebriert. Weitere symphonische Hymnen dieser “Song-Perlenkette” folgen wie aufgereihte Teile eines Medleys: “Bank Of The Deep End” (Gov’t Mule, 2001), “Broken Promised Land” (1993), sowie “Spots of Time” vom legendären “Ashes & Dust”-Album (2015) bringen magischen Blues-Rock mit in die klassischen Interpretationen. Neue Avantgarde-Arrangements verleihen „Thorazine Shuffle“ (Gov’t Mule, 1998) und dem Grateful-Dead-Klassiker „Terrapin Station“ (1977) eine grandiose neue Klangdimension, die durch „Makes No Difference“ (The Band) eindrucksvoll ergänzt wird.

Die sorgfältig zusammengestellte Tracklist zeigt das Potenzial vieler Songs. „Raven Black Night“ (Gov’t Mule, 1998), einst ein Gothic-Country-Titel, wird mit klassisch-sinfonischer Inszenierung und „rockigen“ Keyboard-Parts für das Konzert völlig neu interpretiert. Das folgende „Just Another Rider“ (Gregg Allman, 2011) wirkt etwas zurückhaltend während die retrotraditionelle Fassung von „Black Peter“ (1970) im klassischen Gewand Charme versprüht und als Grateful Dead Oldie großen Anklang beim Publikum findet. Die U2-Ballade „One“ (1991) bleibt in einer zarten, originalnahen Streicherfassung und bereitet dramaturgisch auf die abschließenden Highlights vor.

Die unverwüstliche “Shakedown Street” (1978) schließt den Grateful Dead-Zyklus in funkiger Rockausführung als Rhythmus-Lieferant. Seine weitere tiefe Verbundenheit bringt Warren Haynes auch mit dem letzten Stück nochmal auf die Setlist: “Whipping Post” (über 12 Minuten lang), ein Allman Brothers Klassiker (1969), eine “explodierende” Orchesterbegleitung, die den Blues-Rock Meilenstein zusätzlich veredelt. Kaum in Worte zu fassen sind die anhaltende Strahlkraft der Aufnahmen, ihre psychedelischen Klangfarben und die emotionale Schönheit der Orchestrierungen. Dazu kommt ein Orchester, das den bluesgetränkten Songs mit spannungsgeladenen Arrangements einen völlig neuen Charakter verleiht. Und mittendrin: ein Warren Haynes in überragender Form, kongenial unterstützt von Oteil Burbridge (Bass), John Medeski (Keys), Greg Osby (Saxofon) und Jeff Sipe (Schlagzeug).

Definiert über die Breite der Tracks und die komplexen Orchesterpassagen schaffen Warren Haynes und Co-Produzent Don Was (u.a. Bob Dylan, Rolling Stones) mit “Dreams & Songs A Symphonic Journey with the Asheville Symphony Orchestra” einen musikalischen “Quantensprung”. Die handverlesenen 16 Songs gewinnen durch die Orchestrierung, die neuen Arrangements und das Zusammenspiel von Orchester und Band eine außergewöhnliche musikalische Tiefe. Laut Presse-Info soll die Konzerterfahrung im März 2027 mit dem Nashville Symphony Orchester fortgesetzt werden.

Provogue/Artone (2026)
Stil: Blues-

 Blues Rock, Jam Rock

Tracks:
01. Dreams and Songs (Part One)
02. Dreams
03. Banks Of The Deep End
04. Spots Of Time
05. Broken Promised Land
06. Thorazine Shuffle
07. Makes No Difference
08. Terrapin Station
09. Raven Black Night
10. Just Another Rider
11. Black Peter
12. Instrumental Illness
13. One
14. Shakedown Street
15. Whipping Post
16. Dreams and Songs (Reprise)

Warren Haynes
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V2 Records

Donna Herula – Cold Feet – CD-Review

Review: Michael Segets

Blues liegt eher am Rande meiner musikalischen Interessen, daher war mir Donna Herula bislang unbekannt. Dabei ist sie in der Blues-Szene kein unbeschriebenes Blatt. Herula erzielte mit ihrem Album „Bang At The Door“ (2021) einen Charterfolg, erhielt mehrere Auszeichnungen und wurde in die Chicago Blues Hall Of Fame aufgenommen. Früher in kleiner Besetzung akustisch unterwegs, entdeckt sie den Reiz einer größeren Bandbesetzung und setzt auf ihrem nunmehr vierten Album „Cold Feet“ vermehrt elektrische Instrumente ein.

Reminiszenzen an ihre akustische Vergangenheit finden sich auch auf der neuen CD mit dem instrumentalen Opener „On My Way Home“, mit „Float To Heaven“ sowie mit „Wish I Could See You Again“. Beim letztgenannten Stück spielt sie selbst eine akustische Gitarre und wird vom Produzenten des Longplayers Jon Shain auf einer weiteren begleitet. Der Song lässt sich ebenso wie „Float To Heaven“, das Anne Harris mit ihrer Geige begleitet, eher im Bereich des Folks oder Americana verorten. Etwas Soul im Stil der Commitments mischt sich bei „Things Can Change“ mit auf die CD.

„Cold Feet“ ist also kein reines Blues-Album, obwohl der Schwerpunkt schon auf dem Genre liegt. Das Songwriting bei „Honey Darlin‘ Baby Please“ erinnert anfänglich etwas an das von Luke Winslow-King. Hercula singt hier mit kraftvoller Stimme, mehr Gefühl transportiert sie bei dem Cover „Cypress Grove Blues“, auf dem sie zudem zur Resonator Gitarre greift. Neben dem Song von Nehemiah Skip James interpretiert sie das von Elmore James und Robert Leroy Johnson stammende „Dust My Broom“. Herula liefert eine gelungene, rockige Version des Stücks ab. Dem Bluesrock fröhnt sie ebenfalls auf dem Titeltrack und dem starken „Backseat Driver“ mit Mundharmonika und einem akzentuierten Schlagzeug in der Bridge. Die Chicagoerin zeigt sich bei der Instrumentierung der Stücke sowieso flexibel. Auf einem der Highlights „What You Gonna Do?“ tritt beispielsweise mal ein Saxophon auf.

Für eine Eigenproduktion ist das Booklet bemerkenswert. Hier wurde nicht gespart. Es umfasst sechzehn Seiten, auf denen es die Texte, Fotos und ausführliche Liner Notes des Musikjournalisten Mark Thompson gibt.

„Cold Feet“ von Donna Herula spricht nicht nur eingefleischte Blues- oder Bluesrockfans an. Zum Repertoire der Musiklehrerin aus Chicago gehören auch Americana und Soul. Die CD bietet mit acht Eigenkompositionen und zwei Covern ein abwechslungsreiches Programm mit akustischen und elektrifizierten Titeln in einer variantenreichen Instrumentierung.

Eigenproduktion (2026)
Stil: Blues and more

Tracks:
01. On My Way Home
02. Cold Feet
03. Honey Darlin’ Baby Please
04. Cypress Grove Blues
05. Backseat Driver
06. What You Gonna Do?
07. Wish I Could See You Again
08. Things Can Change
09. Float To Heaven
10. Dust My Broom

Donna Herula
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Blind Raccoon

Outpost Drive – The Outpost – Digital-Album-Review

Hinter Outpost Drive verbirgt sich ein Duo, das sich auf dem Outpost Drive in Los Angeles, Kalifornien, kennengelernt und zu lieben geschätzt hat. Die aus Mobile, Alabama stammende Mary Bragg Robinson und der Brite Willow Robinson sind mittlerweile verheiratet und haben nun auch ihre gemeinsame musikalische Passion in ihrem Debütalbum aus satten 15 Stücken bestehenden „The Outpost Drive“ kanalisiert.

Ich bin rein zufällig über den Titelsong „The Outpost“ ‚gestolpert, der in seiner atmosphärisch aufgeheizten Art sofort, die blendende Konstellation in den Gesängen, sowohl einzeln als auch in den Harmonien, offenbart. Ich habe die beiden sofort zwecks Albumbesprechung kontaktiert und schon am nächsten Tag war der Longplayer transferiert.

Der Track offeriert auch schon in einem Lied, was den Zuhörer im weiteren Verlauf erwartet: Eine geballte Mischung aus Folk-, Indie-, Country- (Richtung Lady A & Co.) und dezent southern gefärbtem Rock, ein Hauch von Blues ist auch dabei („Lord Have Mercy“).

Was besonders auffällt, ist die brillant austarierte Entscheidung, wer von beiden im jeweiligen Song singt und wie und wo man sich gegebenenfalls in den Vokalharmonien zusammenfindet (Mary Bragg Robinson entpuppt sich da teilweise als eine Art Stevie Nicks 4.0). Dazu wird nicht auf den schnellen 3-Minuten-Single-Erfolg geschielt, ganz im Gegenteil, viele der Lieder sind auch instrumentell anspruchsvoll ausstaffiert (als weitere Beispiele dienen u. a. die beiden southern-umwehten „Make Up Your Mind“ und „Let’s Find Something To Talk About“ als grandioses Finale). Nicht zu vergessen, die glasklare transparente Produktion, die alle Komponenten letztendlich überaus gekonnt in Einklang bringt.

Weitere Anspieltipps für Noch-Zögerer sind Tracks wie die leichte New Country-Nummer „Magnolia Tree“ (Marke Lori McKenna), das Harmonica-unterlegte Veranda-Stück „I Love The Rain“, das Fleetwood Mac-reminiszierende „The Ritual“, die hoch-emotionale Ballade „Goodnight“ oder das mit etwas Miranda Lambert-/Kacey Musgraves-Flair bedachte „Lonestar“.

Fazit: In Outpost Drive hat sich was gesucht und gefunden, was absolut zusammengehört. Ich habe selten in diesem Bereich ein so variables und doch so stimmiges Debüt erlebt. Hier passt von den Gesängen, den Melodien, der instrumentellen  Gestaltung bis zur formidablen Produktion alles, Ich bin restlos begeistert. Wenn jetzt noch ein wenig Nashville-Vitamin-B dazukommen würde, wird bei Outpost Drive die Post richtig abgehen. Weiter so Mary und Willow!

Treasure Map Records (2026)
Stil: New Country & More

Tracklist:
01. Till Death Do Us Part
02. The Outpost
03. Magnolia Tree
04. Gracefully
05. Waterlou Rd
06. I Love The Rain
07. The Ritual
08. Tensaw River
09. Broken Vein
10. Lord Have Mercy
11. Goodnight
12. You Have Won The Lottery!n
13. Make Up Your Mind
14. Lonestar
15. Let’s Find Something To Talk About

Outpost Drive
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Jack Browning – Painted Skies. Country And Western – CD-Review

Review: Michael Segets

Jack Browning ist mehrfach von der Muse geküsst. Neben der Malerei lebt er seine kreative Ader als Musiker aus. Auf seiner zweiten Scheibe „Painted Skies“ mit selbst gestaltetem Artwork frönt er dem Country und Western, wie der Untertitel zutreffend verrät. Das Album beginnt dann auch mit der flotten Country-Nummer „Speak Your Mind (But Ride A Fast Horse)“. Für den gelungenen Auftakt gibt Browning selbst Blackberry Smoke und Tom Petty als Referenzen an. Inwieweit man diese Verbindungen dort heraushört, sei dahingestellt.

Bei den beiden anschließenden Songs verarbeitet Browning Kindheitserinnerungen. Der Hintergrund von „Champagne Taste“ – ein Honky Tonk mit schönen Bar Piano – liegt in einem Erlebnis mit seiner Großmutter, die ihm Limonade als Champagner verkauft hat. Etwas bitterere Erinnerungen hat Browning wohl an seinen Vater. Mit „High Hopes“, auf dem ausnahmsweise eine Geige – von Crosby Coford gespielt – Einsatz findet, verarbeitet er frühe Traumata. Das Songwriting lässt Vergleiche zu BJ Barham (American Aquarium) zu, was Browning in meinen Augen adelt. Mit „Muhlenberg County Stars“ gehört der Track zu meinen Favoriten unter den Balladen und neben dem Opener zu denen des Albums insgesamt. Anders als auf Vinyl befindet sich auf der CD eine zweite, akustische Version von „Muhlenberg County Stars“, die Browning allein in Begleitung von Christiano Pochesci an der Steel Pedal performt.

Der in London geborene Browing steht in Sachen Western-Feeling seinen amerikanischen Kollegen in nichts nach („Gut Feelin‘“, „Factory Reset“). Der typische Slide ist auf manchen Stücken wie dem Titelsong sehr präsent. Er findet sich auch beim „James Alley Blues“, der ursprünglich von Richard Brown stammt und von Willie Watson bearbeitet wurde. Browning arrangiert ihn nun als klassischen Country. Der Engländer tourte bereits im Ursprungsland des Genres und trat zusammen mit Chris Stapleton, Vincent Neil Emerson oder The White Buffalo auf.

Zwei Beiträge fallen aus dem Gesamtbild etwas heraus. Der eine ist „Junkyard Dog“, der als stampfender Blues daherkommt. Browning bedient sich eines Stimmverzerrers und Oscar Lloyd lässt mit seiner Trompete New Orleans aufleben. Der andere stellt meines Erachtens die einzige Schwachstelle des Albums dar. „The Perimeter“ wird von dem Gast Joe David Walters nicht gesungen, sondern gesprochen. Im Hintergrund wird er von einer elektrischen Gitarre stimmungsvoll untermalt und in einzelnen Passagen erzeugt die Band eine gewisse Dynamik, die aber letztlich verpufft. Der knapp zweiminütige Track würde sich als Intro eignen, wenn es danach mit härteren Riffs richtig losginge. Der folgende Song „Heavy Is The Head“ beginnt aber zurückhaltend. Die anfänglich staubige, in den Wilden Westen versetzende Atmosphäre gipfelt erst am Ende in einem kräftigen Gitarrensolo. Das Stück lässt den vorherigen Durchhänger allerdings schnell vergessen.

Jack Browning legt mit „Painted Skies“ ein Country-Album vor, das gängigen Pfaden folgt. Dabei überzeugen vor allem die Balladen. Aber auch bei den Uptempo-Nummern zeigt er, dass er fest im Sattel sitzt. Unter diesen lässt sich „Speak Your Mind (But Ride A Fast Horse)“ hervorheben. Ich hoffe, dass meine Anmerkungen nicht dazu führen, dass ich mir ein schnelles Pferd suchen muss.

Too Fine Records (2026)
Stil: Country

Tracks:
01. Speak Your Mind (But Ride A Fast Horse)
02. Champagne Taste
03. High Hopes
04. James Alley Blues
05. The Perimeter
06. Heavy Is The Head
07. Junkyard Dog
08. Wire
09. Muhlenberg County Stars
10. Gut Feelin‘
11. Factory Reset
12. Painted Skies
13. Muhlenberg County Stars (acoustic)

Jack Browning
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Too Fine Records
Continental Record Service

pez – Groundtrippin‘ – CD-Review

Wow, New Country aus unseren Landen, und dazu richtig guter! Bis dato sind mir da nur zwei nennenswerte Scheiben von The Cumberland River Project in diesem Magazin unter die Fittiche gekommen. Eine gute, als sich der englische Gesang bei den Tracks auf viele Nativ-Singer verteilte, bei der zweiten, als der Mastermind Frank Renfordt die Sache selbst in die Hand nahm, ging es böse ‚in die Hose‘.

Beim aktuell zu besprechenden Debüt-Werk von pez, bürgerlicher Name Peter Geyer, aus der nördlichen Oberpfalz stammend, kann in dieser Hinsicht sofort Entwarnung gegeben werden. Hier ist in allen Belangen (Songwriting, Musik, Gesang, Texte, Produktion) merklich sofort ein professioneller internationaler Anspruch erkennbar, von deutschem Stallgeruch so gut wie keine Spur!

Peter Geyer hat bereits seit frühster Kindheit/Jugend viel musikalische Erfahrung (u. a. bei den Regensburger Domspatzen und in professionellen Coverbands gesammelt, jetzt hat er scheinbar die richtige und zu ihm passende Musik für seine anstehende Solo-Karriere entdeckt.

Man erkennt schon so sofort bei den ersten drei überaus eingängigen Stücken, die sich alle in ihrer Melodik und instrumentellen Umsetzung radiotauglich präsentieren, die hohe Detailverliebtheit des Protagonisten. Rock, Pop und Country verschmelzen perfekt zu einer Einheit, wobei die countrytypischen Ingredenzien mittels u. a. E- und A-Gitarren, Banjo, Fiddle, Dobro, Steel oder Mandoline (später bei „Nice And Slow“ auch eine Mundharmonika) immer klar heraushörbar sind.

Nicht zuletzt auch ein Verdienst eingebundener Musiker wie Kyle May (Drums), Tyler Slawson (Gitarre, bekannt u.a. durch Cort Carpenter Band), Kelby Ray Caldwell (The Cadillac Three, Lap Steel) und Aaron Thompson (Bass, bekannt u. a. durch seine Arbeit mit Tyler Braden) bei „Without Superman“ oder bei weiteren Tracks Sasha Ostrovsky aus der Band von Darius Rucker, Nashville-Session-Musiker Jake Clayton sowie Schlagzeuger und Percussionist Alex Höffken, der bereits mit Michael Patrick Kelly, Ronan Keating, Nico Santos und Mark Forster gearbeitet hat.

Insgesamt geben etablierte Nashville Stars wie Morgan Wallen oder Luke Combs stilistisch die Richtung vor, die zehn Lieder lassen in dieser Hinsicht und Qualität nichts zu wünschen über. Mutig ist, ausgerechnet den rockigsten Track am Ende, das bereits o. a. „Without Superman“ (eine Hommage an seinen verstorbenen Großvater) als Single auszukoppeln. Die hier lesende Southern Rock-Fraktion wird dem sicher nicht abgeneigt sein.

pez und sein Erstling „Groundtrippin'“(erhältlich als Stream und CD) entpuppt sich für mich als eine der großen Überraschungen dieses Jahres und ich kann mir vorstellen, dass auch die Entscheider der großen Nashville-Labels, sofern sie diese Scheibe zu hören bekommen würden, sich verwundert, die Augen, beziehungsweise in hiesigem Sinne, die Ohren reiben würden… Herrlich frischer New-Country in allen Facetten, der großen Spaß bereitet!

Eigenproduktion (2026)
Stil: New Country

Tracks:
01. Where The Highway Ends
02. Lynchburg TN
03. By Nine
04. Never Seen Tennessee
05. Late Night Talks
06. Lost Me for Country
07. Nine To Five
08. Nice And Slow
09. Three Chords And The Truth
10. Without Superman

pez
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***superlifepromo***

Jeffrey Halford & The Healers – Used Parts – CD-Review

Review: Michael Segets

Jeffrey Halford & The Healers unternehmen auf „Used Parts” erneut einen Streifzug durch die Roots Music. Mit-Produzent und Multiinstrumentalist Adam Rossi zählt ebenso wie Mike Anderson zu den altbewährten Bandmitgliedern, die durch Kevin T. White und einige Gastmusikerinnen und Gastmusiker verstärkt werden. Anders als auf ihrem Album aus dem Jahr 2022 „Soul Crusade“ legen Jeffrey Halford & The Healers den Schwerpunkt nicht auf den Blues, sondern setzen auf eine ausgewogene Mischung mehrerer Stilrichtungen.

Dennoch bieten „Chasing Forgiveness“ sowie „Mississippi Flyer“ Blues mit einem Swamp-Einschlag. Der letztgenannte wurde von Bill Wyman (Rolling Stones) geschrieben, der Halford persönlich bat, den Track aufzunehmen. Die anderen Stücke stammen von Halford. Unterstützung erhielt er dabei zum Teil von Colin Halford. Mit Hannah und Aaron Halford hat Jeffrey weitere Familienmitglieder in das Projekt einbezogen, die vor allem beim Backgroundgesang mitwirkten. Deren Harmonien setzen bei einigen Songs gelungene Akzente – so etwa bei den Soul-imprägnierten Titeln „Don’t Turn Out The Light“ oder „High Mountain Soul“. Auch im Refrain von „Corazón“ tragen sie zur Atmosphäre bei und versetzen zusammen mit den Keys, die beinahe wie ein Akkordeon klingen, an die amerikanisch-mexikanische Grenzregion.

Am Rock’n Roll der klassischen Machart orientieren sich zwei weitere Nummern. Für „Used Parts“ ließ sich Halford von Eddie Cochran inspirieren. Feines Gitarrenspiel und ein trockenes Schlagzeug prägen den lockeren Song. Heiße Erlebnisse in einem Zugabteil thematisiert „Rhythm Of The Rails“. Beide Uptempo-Nummern machen auf alle Fälle Spaß. Etwas getragener geht es auf „Living Worthwhile“ zu. Die Country-Ballade ist mit genretypischem Slide versehen, den Tom Heymann (Alejandro Escovedo, Chuck Prophet) an der Pedal Steel beisteuert.

Neben Liebesdingen beschäftigt sich Halford in seinen introspektiven Texten mit der Rastlosigkeit des tourenden Musikers beispielsweise beim Opener „Bright Lights“. Der Track erinnert mich zuweilen an James McMurtry). Die Suche nach Orientierungspunkten im Leben sowie deren Verlust reflektiert Halford beim abschließenden „True North“ mit zurückhaltender Instrumentalisierung.

Jeffrey Halford & The Healers beweisen Kreativität beim Zusammensetzen bekannter Elemente der Roots Music. Halford ist ein Bastler, der sein Handwerk versteht. Er schielt nicht auf außerordentliche Innovationen, sondern bewahrt die guten Teile und hält sie am Laufen. „Used Parts“ nimmt die Hörer mit und darauf kommt es letztlich ja an.

Shoeless Records (2026)
Stil: Blues, Americana and more

Tracks:
01. Bright Lights
02. Used Parts
03. Living Worthwhile
04. Don’t Turn Out The Lights
05. Rhythm Of The Rails
06. Corazón
07. Chasing Forgivness
08. High Mountain Soul
09. Mississippi Flyer
10. True North

Jeffrey Halford & The Healers
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JohThema Promotions

Pokey LaFarge – Rent Money – CD-Review

Review: Michael Segets

Beim Stöbern in den Neuankündigungen bei Oktober Promotion stieß ich den mir bis dato unbekannten Pokey LaFarge und sein Album „Rent Money“. Das Viedeo zum Titelsong hat mich direkt gefangen genommen, obwohl nicht viel passiert. Im Wesentlichen sieht man nur LaFarge, wie er singt und Gitarre spielt. Aber: echt cooler Typ, cooler Style, cooler Song.

Musikalisch liegt der Longplayer einen Schritt neben dem Schwerpunkt von SoS. Er versetzt in die Frühzeit des Rock ’n Roll, bei dem die Grenzen zum Blues, Ragtime, Swing und Jazz noch nicht so festgezurrt waren. LaFarge entzieht sich sowieso gerne Kategorisierungen, rennt keinen Modetrends nach, sondern macht sein Ding. Dabei kokettiert er gelegentlich mit seiner Rolle als Außenseiter, der sich nicht um Konventionen schert („Told You No“, „Stranger“).

Dass eine solche Einstellung im Musikbusiness nicht unbedingt zu finanziellen Erfolg führt, hat LaFarge am eigenen Leib erfahren, obwohl er in seiner nunmehr zwanzigjährigen Karriere einige Preise – vor allem in der Independent-Szene – erhielt. Vor dem Hintergrund persönlicher Erfahrungen stehen finanzielle Sorgen der arbeitenden Bevölkerung im Zentrum mehrerer Stücke. Dabei schlägt er sozialkritische Töne an, wobei Inflation und die breiter werdende Kluft zwischen arm und reich sind ja nicht nur in den USA ein Thema.

Ähnlich angelegt und vom Coolnessfaktor auf vergleichbarer Stufe mit dem Titeltrack ist „Work“. Die andere Seite der sozialen Hierarchie beleuchten das swingende „Big Boss Man“ und das vom Blues infiltrierte „The Thing“. Der letztgenannte Song wurde als zweite Single veröffentlicht. Darin wird festgestellt, dass viele Dinge, denen man nachjagt, ihr Glücksversprechen nicht einlösen, sobald man sie hat. Den Topos, dass man Dinge sowieso nicht mitnehmen kann, wenn die Zeit auf Erden verstrichen ist, bedient „Can’t Take It With You“. Glücklich wird man vielleicht, wenn man jemanden gefunden hat, der einen so liebt, wie man ist („My Baby Loves Me“, „Stick Together“).

Der Sound der Scheibe ist nicht nur technisch gesehen klar. Er lässt die einzelnen Instrumente differenziert zur Geltung kommen. Elliot Bergman hatte hier als Produzent und bei der Technik seine Finger im Spiel. Darüber hinaus steuerte der Multiinstrumentalist vor allem das Saxophon bei und schrieb die meisten Stücke zusammen mit LaFarge.

Pokey LaFarge entzieht sich mit seiner Musik einfachen Einordnungen. „Rent Money“ zelebriert einen Retrosound, der sicherlich nicht alle SoS-Leserinnen und Leser anspricht. Dennoch geht von ihm eine gewisse Faszination aus. Der Titelsong sowie „Work“ sind Anspieltipps, um sich einen Eindruck von dem aktuellen Werk des Unikats aus Illinois zu verschaffen.

Boxer Boy Records – Pias (2026)
Stil: Independent

Tracks:
01. The Thing
02. My Baby Loves Me
03. Hambone
04. Rent Money
05. Stick Together
06. Work
07. Stranger
08. Can’t Take It With You
09. Told You No
10. Big Boss Man
11. On And On

Pokey LaFarge
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Pias/Rough Trade
Oktober Promotion

Carly Pearce – Honest Woman – CD-Review

Carly Pearce hat sich seit ihrem Debüt im Jahre 2017 mit viel Fleiß in die Top-Garde der weiblichen Country-Künstlerinnen hervor gearbeitet. Der ganz große Wurf  in Sachen Alben oder Singles ist allerdings dabei ausgeblieben. Das Maß aller Dinge ist unter den Kolleginnen schon seit geraumer Zeit Ella Langley, der es sogar gelungen ist, den ‚Dominator‘ Morgen Wallen vom Thron zu stürzen.

Wir hatten Anfang letzten Jahres mal die Freude, sie zusammen mit Wade Bowen im Schlepptau, der übrigens in den nächsten Wochen mit „The Version Of Me You Get“ einen starken neuen Longplayer an den Start bringen wird (Review natürlich auch bei uns), uns in Köln von der sympathischen Präsenz der aus Kentucky  stammenden Künstlerin (heute in Nashville lebend) live überzeugen zu können.

Jetzt in den Tagen, wo ihr langjähriges Idol, Dolly Parton, leider das Zeitliche gesegnet hat (Carly hat ja früher lange in ihrem Dollywood-Freizeitpark als Sängerin gearbeitet), bringt sie mit „Honest Woman“ ihr fünftes Album auf den Weg.  Mit satten 16 Tracks ist das Werk üppig bestückt, die traditionelle Countrymusik steht dabei deutlich im Mittelpunkt.

Lediglich das peppige und eingängige „She Don’t“ sticht in dieser Hinsicht etwas heraus. Ansonsten gibt es ein fein instrumentiertes Konvolut (mit viel Banjo, Dobro, Fiddle, Mandoline, Steel) an Tracks in allen Tempi, das irgendwie angenehm und klar produziert dahinfließt, ohne aber einen großen Wow-Effekt auszulösen.

Der sicherlich nicht unklug gewählte Ansatz, auf „If I Don’t Leave I’m Gonna Stay“ mittels eines Duetts mit Riley Green, es der o. a. derzeitigen Platzhirschin ambitioniert mit einem emotionalen Song gleich zu tun, ist mit nur Platz 40 in den Charts aber eher verpufft.

Weitere Gastpräsenzen gibt es von den Bluegrass-Koryphäen Dan Tyminski bei „Who’s Lying Here“ sowie  von Molly Tuttle und Dan Tyminski auf „What If You Loved Me“. Ein Highlight in Verbindung mit einem gut gemachten Video, ist „Same Circus“, das ihre scheinbar etwas schwierige Einstellung zur Männerwelt einmal mehr thematisiert. „Machen Frauen tendieren halt dazu, sich den falschen Mann auszusuchen“, sagt allerdings meine Gattin auch des Öfteren zu mir…

Carly Pearce hat weiterhin meine uneingeschränkte Sympathie. Mit „Honest Woman“ betreibt sie – könnte man meinen – teilweise immer noch, wie auf den Alben zuvor, trotz neuer Beziehung, Wundenlecken in Sachen gescheiterter Schnellehe mit Michael Ray unter dem Deckmantel der Rückbesinnung auf die Countrywurzeln. Für Selbstironie ist mir das mittlerweile – so lange anhaltend – doch ein wenig ‚too much‘.

Irgendwann finde ich, Aufrichtigkeit hin oder her, sollte mal Schluss mit dem Thema und der Blick wieder nach vorne gerichtet sein. Ehrlich gesagt, trotz vieler neuer Songs mit einigen guten Ideen, namhafter Gastpräsenzen, insgesamt ein guter, aber eher unspektakulärer ‚Auftritt‘!

Stoney Creek / BMG Nashville (2026)
Stil: New Country

01. Dream Come True
02. Church Girl
03. She Don’t
04. You Can Have Him
05. How Long
06. WWJD
07. Same Circus
08. Happy For Myself
09. If I Don’t Leave I’m Gonna Stay (Carly Pearce And Riley Green)
10. I Don’t Have The Heart
11. He Don’t Like My Dogs
12. Leave My Heart Alone
13. Who’s Lying Here (feat. Dan Tyminski)
14. Daisy
15. What If You Loved Me (feat. Molly Tuttle And Dan Tyminski)
16. Why God Why Me

Carly Pearce
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