{"id":62595,"date":"2023-11-01T16:18:46","date_gmt":"2023-11-01T15:18:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sounds-of-south.de\/wordpress\/?p=62595"},"modified":"2023-11-03T19:08:21","modified_gmt":"2023-11-03T18:08:21","slug":"mathias-schueller-dunkel-rot-cd-review","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.sounds-of-south.de\/wordpress\/2023\/11\/01\/mathias-schueller-dunkel-rot-cd-review\/","title":{"rendered":"Mathias Sch\u00fcller \u2013 Dunkel: Rot \u2013 CD-Review"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"300\" src=\"http:\/\/www.sounds-of-south.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Schueller-300.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-62597\" srcset=\"http:\/\/www.sounds-of-south.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Schueller-300.jpg 300w, http:\/\/www.sounds-of-south.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Schueller-300-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/figure>\n\n\n<p>Review: Michael Segets<\/p>\n<p>Ich h\u00f6re relativ wenig deutschsprachige Musik. Das erste Problem mit ihr ist, dass ich die Texte unmittelbar verstehe und nicht wegh\u00f6ren kann, was oft angebracht w\u00e4re. Ein beil\u00e4ufiges H\u00f6ren ist daher nicht m\u00f6glich, was zum zweiten Problem mit ihr f\u00fchrt: Die musikalischen Darbietungen sprechen mich zumeist nicht so an, dass ich mir die Zeit nehmen w\u00fcrde, mich aus diesem Grund einem Longplayer ausgiebig zu widmen. Dennoch gibt es in Sachen Deutschrock auch Ausnahmen, bei denen Texte und Musik stimmen. Zu diesen geh\u00f6rt Matthias Sch\u00fcller, der mit \u201eDunkel:Rot\u201c sein viertes Album vorlegt.<\/p>\n<p>Auf dem Nachfolger zum \u2013 f\u00fcr den Preis der deutschen Schallplattenkritik nominierten \u2013 \u201eWodka Wodka Superstar\u201c (2020) verfolgt Sch\u00fcller weiterhin seine eigene Linie, die als deutschsprachiger Americana umrissen werden kann, und zwischen Rock und Singer\/Songwriter angesiedelt ist. Das Cover lehnt sich ebenfalls an den erfolgreichen Vorg\u00e4nger an, indem das Titelbild \u00fcbernommen und lediglich durch eine andere Farbgebung ver\u00e4ndert wurde: Dunkel wie die Nacht und Rot wie die Liebe. So hei\u00dft es im Pressetext.<\/p>\n<p>Insgesamt durchzieht das Album eine d\u00fcstere Schwere ohne dabei depressive Z\u00fcge anzunehmen. Kritische Selbstreflexion und trotzige Selbstbehauptung gehen in den Texten Hand in Hand. Sch\u00fcller wirft einen distanzierten Blick auf sich \u2013 sofern die Songs eine autobiographische Basis haben \u2013 und l\u00e4sst dabei Stimmungen und Gef\u00fchle aus Episoden seines Lebens wieder aufleben. So untertitelt er den Opener \u201eDas Feuer brennt\u201c als Liebesgeschichte aus dem Winter 78\/79. Um die Liebe und das Verliebtsein drehen sich auch die beiden folgenden St\u00fccke \u201eLass mich rein\u201c und \u201eIdiot\u201c. Wie die Songtitel schon erahnen lassen, enden die Beziehungen eher ungl\u00fccklich. Letztlich gibt es aber in \u201eParadiesvogel\u201c doch noch ein Happy End.<\/p>\n<p>Ein weiteres Motiv, das das Album durchzieht, liegt im Ausbruch aus dem bisherigen Leben (\u201eSorgenfrei\u201c) und dem Aufbruch in ein neues. Der Kampf um eine gelingende Existenz muss gem\u00e4\u00df Sch\u00fcller im Hier und Jetzt gef\u00fchrt werden, da man auf ein \u201eKartenhaus\u201c baut, wenn man an eine jenseitige Belohnung glaubt. Die Hoffnung auf einen wirklichen Neuanfang und ein gl\u00fcckliches Dasein mag sich letztlich als Selbstbetrug herausstellen, wie \u201eHotel zur besten Illusion\u201c andeutet. Bei dem Song steuert HB H\u00f6velmann wie zuvor bereits bei \u201eIdiot\u201c die Lead Guitar bei. Ansonsten spielt Sch\u00fcller alle Instrumente selbst. Nach eigener Aussage entdeckte er nun die Slide Gitarre (\u201eSchwarzer Bullermann\u201c) und die Orgel, welche man bei \u201eDer Sturm\u201c deutlich heraush\u00f6rt. Im letztgenannten Track, der den kr\u00f6nenden Abschluss des Albums bildet, spielt Sch\u00fcller mit den Dualismen, die das Innenleben so ausmachen. Als pers\u00f6nliches Minimalziel setzt er sich den Anspruch, kein Arschloch zu sein.<\/p>\n<p>Folgerichtig ist dann auch seine Warnung vor rechten Tendenzen (\u201eTheaterdonner\u201c). Noch deutlicher in der Ablehnung rechtsgerichteter Gesinnung wird Sch\u00fcller bei \u201eSchwarze Milch\u201c. Er bedient sich der bekannten Metapher von Paul Celan, auch wenn der Lyriker den Song nach Einsch\u00e4tzung des Urhebers wohl nicht gemocht h\u00e4tte. Hier wird nochmal die sympathische Distanz zur eigenen Person deutlich, die Sch\u00fcller an den Tag legt. Das balladeske St\u00fcck setzt nach dem eher rockigeren Einstieg eine Z\u00e4sur auf dem Album. Es erinnert an Westernhagen, als dieser noch M\u00fcller im Namen trug.<\/p>\n<p>In klassischer Liedermacher-Tradition ist \u201eJelena\u201c gehalten. Ein Schelm, wer denkt, dass dies ein Song \u00fcber Helene Fischer sei \u2013 nur weil sie als Inspirationsquelle in den Credits genannt wird. Die Anregungen f\u00fcr seine St\u00fccke zieht er aus seinem pers\u00f6nlichen Umfeld und Erfahrungen sowie aus Literatur und Film, wobei es Freue macht, \u00dcbereinstimmungen mit Werken zu finden, die man selbst kennt und sch\u00e4tzt. Sch\u00fcller f\u00fchrt zudem eine lange Liste von Musikern an, die ihn beeinflussten. Bei SoS findet man von ihnen <a href=\"http:\/\/www.sounds-of-south.de\/wordpress\/?s=Bruce+Springsteen\">Bruce Springsteen<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.sounds-of-south.de\/wordpress\/?s=Joseph+Parsons\">Joseph Parsons<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.sounds-of-south.de\/wordpress\/?s=Ryan+Adams\">Ryan Adams<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.sounds-of-south.de\/wordpress\/?s=Rich+Hopkins+And+Luminarios\">Rich Hopkins<\/a>.<\/p>\n<p>Mathias Sch\u00fcller, Spezialist f\u00fcr deutschsprachigen Americana, beleuchtet in oftmals autobiographisch gef\u00e4rbten Texten einige Seiten- und Schieflagen des Lebens. Die zw\u00f6lf quasi im Alleingang eingespielten Tracks wirken handgemacht und ehrlich. \u201eDunkel:Rot\u201d ist ein erwachsenes, inhaltlich sicherlich kein leichtes Album. Vor allem, wenn man sich in einer mittleren Lebensphase befindet, lohnt sich das Eintauchen in die Welt von Sch\u00fcller, weil man einige Parallelen und Ankn\u00fcpfungspunkte zur eigenen Gedanken- und Gef\u00fchlswelten aufsp\u00fcrt.<\/p>\n<p>Ab Februar kommenden Jahres geht Sch\u00fcller auf Deutschland-Tour und streift beispielsweise mit seinen Auftritten in Wesel und Leverkusen auch die SoS-Region.<\/p>\n<p><strong>Timezone Records (2023)<br \/>Stil: Deutschrock, Americana<\/strong><\/p>\n<p>Tracks:<br \/>01. Das Feuer brennt<br \/>02. Lass mich rein<br \/>03. Idiot<br \/>04. Kartenhaus<br \/>05. Schwarze Milch<br \/>06. Jelena<br \/>07. Theaterdonner<br \/>08. Schwarzer Bullemann<br \/>09. Sorgenfrei<br \/>10. Paradiesvogel<br \/>11. Hotel zur besten Illusion<br \/>12. Der Sturm<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/mathiasschueller.de\/\">Mathias Sch\u00fcller<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/mathiasschueller\/\">Mathias Sch\u00fcller bei Facebook<\/a><br \/><a href=\"http:\/\/www.timezone-records.com\">Timezone Records<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Review: Michael Segets Ich h\u00f6re relativ wenig deutschsprachige Musik. Das erste Problem mit ihr ist, dass ich die Texte unmittelbar verstehe und nicht wegh\u00f6ren kann, was oft angebracht w\u00e4re. 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