{"id":43475,"date":"2020-05-19T11:11:47","date_gmt":"2020-05-19T09:11:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sounds-of-south.de\/wordpress\/?p=43475"},"modified":"2020-05-19T11:19:49","modified_gmt":"2020-05-19T09:19:49","slug":"steve-earle-the-dukes-ghost-of-west-virginia-cd-review","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.sounds-of-south.de\/wordpress\/2020\/05\/19\/steve-earle-the-dukes-ghost-of-west-virginia-cd-review\/","title":{"rendered":"Steve Earle &#038; The Dukes \u2013 Ghost Of West Virginia \u2013 CD-Review"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-43477\" src=\"http:\/\/www.sounds-of-south.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Earle_300.jpg\" alt=\"Earle_300\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.sounds-of-south.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Earle_300.jpg 300w, http:\/\/www.sounds-of-south.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Earle_300-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.sounds-of-south.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Earle_300-109x109.jpg 109w, http:\/\/www.sounds-of-south.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Earle_300-100x100.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Review: Michael Segets<\/p>\n<p>Steve Earle, Country-Outlaw der zweiten Generation, meldet sich mit \u201eGhost Of West Virginia\u201d wieder zu Wort. In seinen Texten greift er regelm\u00e4\u00dfig gesellschaftliche und politische Themen auf, die gerade bei konservativen Kreisen in Amerika heftige Reaktionen ausl\u00f6sten, denkt man beispielsweise an seinen \u201eJohn Walker\u2019s Blues\u201c.<\/p>\n<p>Auf seinem zwanzigsten Album setzt er sich mit dem Bergbau in West Virginia auseinander. Earle lehnt zwar den Energiegewinn aus fossilen Brennstoffen ab, versucht aber, sich in die Mentalit\u00e4t der Bev\u00f6lkerung dieser Kohleregion einzuf\u00fchlen, um so die Basis f\u00fcr einen Dialog zu schaffen, der auf der gegenseitigen Toleranz unterschiedlicher Sichtweisen beruht. Vor allem der Minenunfall von Upper Big Branch im Jahr 2010, bei dem 29 M\u00e4nner ihr Leben verloren, hat sich in das kollektive Ged\u00e4chtnis West Virginias eingebrannt. In \u201eIt\u2019s About Blood\u201c nennt Earle alle Namen der Verungl\u00fcckten, die auch auf dem Cover zu lesen sind.<\/p>\n<p>Seinem Tribute \u201e<a href=\"http:\/\/www.sounds-of-south.de\/wordpress\/2019\/03\/22\/steve-earle-the-dukes-guy-cd-review\/\">Guy<\/a>\u201c (2019), eine Hommage an seinen verstorbenen Freund und Mentor Guy Clark, l\u00e4sst Earle nun also ein weiteres Konzeptalbum folgen \u2013 diesmal aber mit zehn Eigenkompositionen. Bei diesen erweist er sich ein weiteres Mal als Meister seines Faches. Trotz der offenen Sozialkritik scheint in den lyrischen Zeilen eine Menschenfreundlichkeit durch, die man Earle \u2013 denkt man an seine wilden Zeiten \u2013 fr\u00fcher nicht zugetraut h\u00e4tte.<\/p>\n<p>In seinen Texten erweckt Earle schl\u00fcssige Figuren mit ihren Tr\u00e4umen und Fehlern zum Leben, ohne sie blo\u00dfzustellen. Earle zeigt sich als sensibler Beobachter und gereifter Songwriter, der vor kritischen T\u00f6nen nicht zur\u00fcckschreckt, dabei aber ein tiefes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Menschen aufbringt.<\/p>\n<p>Das Werk beginnt mit dem vokalen Gospel \u201eHeaven Ain\u2019t Goin\u2018 Nowhere\u201c, das die Kraft eines klassischen Spiritual verstr\u00f6mt. \u00c4u\u00dferst stimmungsvoll steht dort seine rau-kratzige Stimme in Kontrast zu dem mehrstimmigen Chor, der den Refrain singt.<\/p>\n<p>Den Abschluss des Albums bildet die typische Steve-Earle-Ballade \u201eThe Mine\u201c mit eing\u00e4ngigen Textzeilen und frischer Geigenbegleitung. Zwischen den beiden Highlights finden sich acht abwechslungsreiche St\u00fccke auf der kurzweiligen Scheibe. Dabei ist die K\u00fcrze der CD, deren Laufzeit keine halbe Stunde umfasst, der einzige Kritikpunkt.<\/p>\n<p>Das von einem Banjo getriebene und mit Geige sowie E-Gitarre begleitete \u201eDevil Put The Coal In The Ground\u201c entwickelt einen vollen Sound. \u00c4hnlich dunkle Atmosph\u00e4re verstr\u00f6men \u201eBlack Lung\u201c \u2013 bei dem Earles Mandoline zur Geltung kommt \u2013 und das schon erw\u00e4hnte \u201eIt\u2018s About Blood\u201c. Der ungeschliffene Klang der Songs in Verbindung mit Earles markantem Gesang machen sie zu meinen weiteren Favoriten auf dem Longplayer.<\/p>\n<p>\u201eTime Is Never On Our Side\u201d und \u201eIf I Could See Your Face Again\u201d schlagen sanftere T\u00f6ne mit poetischen Texten an. Beim letztgenannten Titel \u00fcberl\u00e4sst Earle Eleanor Whitmore die Vocals. Auf fr\u00fcheren Alben finden sich zwar Duette, beispielsweise mit <a href=\"http:\/\/www.sounds-of-south.de\/wordpress\/?s=Lucinda+Williams\">Lucinda Williams<\/a>, Maria McKee (Lone Justice) oder seiner Ex-Ehefrau <a href=\"http:\/\/www.sounds-of-south.de\/wordpress\/?s=Allison+Moorer\">Allison Moorer<\/a>, aber dass Earle den Gesangspart vollst\u00e4ndig abtritt, ist ein Novum. Dies passt jedoch in das Gesamtkonzept des Werkes, da der Song die Perspektive der Witwe eines Minenarbeiters einnimmt.<\/p>\n<p>Wenn es um den Kampf zwischen Mensch, Maschine und Gestein geht, darf nat\u00fcrlich die Legende um John Henry nicht fehlen. Diese wurde schon mehrfach musikalisch verarbeitet. Earles Song \u201eJohn Henry Was A Steel Drivin\u2019 Man\u201d hat \u00c4hnlichkeit mit dem Pete Seeger Klassiker \u201eJohn Henry\u201c, der sp\u00e4testens durch das Cover von <a href=\"http:\/\/www.sounds-of-south.de\/wordpress\/?s=Bruce+Springsteen\">Bruce Springsteen<\/a> bekannt sein d\u00fcrfte. Charley Crockett verarbeitet unl\u00e4ngst ebenfalls die Geschichte des H\u00fcnen bei \u201e9 Pound Hammer\u201c.<\/p>\n<p>Seine Wurzeln im Country offenbart Earle bei \u201eUnion, God And Country\u201c und auch der Boogie \u201eFastest Man Alive\u201d weist Anleihen bei diesem Genre auf. Die schnelleren St\u00fccke sorgen f\u00fcr zus\u00e4tzliche Abwechslung auf dem Longplayer.<\/p>\n<p>Steve Earle gelingt mit \u201eGhost Of West Virginia\u201c ein Konzeptalbum, auf dem sich der unterschiedliche Sound der Einzeltitel in Verbindung mit hervorragenden Texten zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenf\u00fcgt. Der F\u00fcnfundsechzigj\u00e4hrige legt mit seinem Werk die Messlatte f\u00fcr die j\u00fcngere Generation an Songwriter musikalisch und inhaltlich hoch.<\/p>\n<p><strong> New West Records\/Pias \u2013 Rough Trade (2020)<br \/>\nStil: Outlaw Country<\/strong><\/p>\n<p>Tracks:<br \/>\n01. Heaven Ain\u2019t Goin\u2019 Nowhere<br \/>\n02. Union, God And Country<br \/>\n03. Devil Put The Coal In The Ground<br \/>\n04. John Henry Was A Steel Drivin\u2019 Man<br \/>\n05. Time Is Never On Our Side<br \/>\n06. It\u2019s About Blood<br \/>\n07. If I Could See Your Face Again (featuring Eleanor Whitmore)<br \/>\n08. Black Lung<br \/>\n09. Fastest Man Alive<br \/>\n10. The Mine<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.steveearle.com\/ \">Steve Earle<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/SteveEarleMusic\">Steve Earle bei Facebook<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.newwestrecords.com\/\">New West Records<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/roughtrade.com\/us\/label\/pias\">Pias \u2013 Rough Trade<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/oktoberpromotion.com\/\">Oktober Promotion<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Review: Michael Segets Steve Earle, Country-Outlaw der zweiten Generation, meldet sich mit \u201eGhost Of West Virginia\u201d wieder zu Wort. 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