{"id":24155,"date":"2018-05-18T17:33:00","date_gmt":"2018-05-18T15:33:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sounds-of-south.de\/wordpress\/?p=24155"},"modified":"2018-05-18T18:06:32","modified_gmt":"2018-05-18T16:06:32","slug":"john-mellencamp-plain-spoken-from-the-chicago-theatre-cddvd-review","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.sounds-of-south.de\/wordpress\/2018\/05\/18\/john-mellencamp-plain-spoken-from-the-chicago-theatre-cddvd-review\/","title":{"rendered":"John Mellencamp \u2013 Plain Spoken \u2013 From The Chicago Theatre \u2013 CD\/DVD-Review"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-24157\" src=\"http:\/\/www.sounds-of-south.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Mell_300-300x265.jpg\" alt=\"Mell_300\" width=\"300\" height=\"265\" srcset=\"http:\/\/www.sounds-of-south.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Mell_300-300x265.jpg 300w, http:\/\/www.sounds-of-south.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Mell_300.jpg 339w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Review: Michael Segets<\/p>\n<p>\u201eDie Leute lieben es, von alten Zeiten zu erz\u00e4hlen. Um von ihnen erz\u00e4hlen zu k\u00f6nnen, muss man allerdings alt sein.\u201c Mit einem Augenzwinkern leitet John Mellencamp den Schluss seines Konzerts im Chicago Theater ein. Zuvor unternimmt er eine packende Zeitreise zur\u00fcck zu seinen Anf\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Die DVD\/Blue-Ray \u201ePlain Spoken \u2013 From The Chicago Theatre\u201c enth\u00e4lt neben dem reinen Mitschnitt eine kommentierte Version des Konzerts aus dem Jahr 2016. Dabei steht der von Mellencamp gesprochene Text im Vordergrund. Die Musik untermalt dort lediglich die gesprochenen Worte.<\/p>\n<p>Die Anekdoten und Gedankensplitter \u2013 teils am\u00fcsant, teils nachdenklich stimmend \u2013 k\u00f6nnen durchaus literarischen Wert beanspruchen. Der Text ist keine dokumentarische Abarbeitung biographischer Stationen, sondern Mellencamp sp\u00fcrt seinen Wurzeln nach, die ihn zu dem K\u00fcnstler und Musiker gemacht haben, der er heute ist.<\/p>\n<p>Er gibt Einblicke in pr\u00e4gende Momente seines Lebens, seine subjektive Sichtweise des Musikbusiness und gesteht auch pers\u00f6nliche Unzul\u00e4nglichkeiten ein. In dem zwanzigseitigen Booklet findet sich der vollst\u00e4ndig abgedruckte Text.<\/p>\n<p>Die eingehendere Besch\u00e4ftigung mit der kommentierten Video-Version lohnt sich und bildet das k\u00fcnstlerische Herzst\u00fcck der Ver\u00f6ffentlichung. Aber auch das Konzert, das zudem als CD beiliegt, hat es in sich. Hier geht Mellencamp auf einen Streifzug durch sein musikalisches Schaffen der letzten 35 Jahre.<\/p>\n<p>Das ist in etwa der Zeitraum, in dem ich mich f\u00fcr Musik interessiere und in dem mich die Mellencamps stetig begleitete. Anfang und Mitte der 1980er brachte er einige hervorragende gitarrenorientierte Rock-Alben heraus, die in einem Atemzug mit den Werken von Bruce Springsteen oder Tom Petty genannt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Sein Longplayer \u201eThe Lonesome Jubilee\u201c aus dem Jahr 1987 hat einen festen Platz in meiner pers\u00f6nlichen Top-Ten-Liste. Auf ihm integrierte er auch vermehrt Folk-typische Instrumente wie Geige oder Akkordeon und pr\u00e4gte so einen eigenen, unverwechselbaren Sound. In den folgenden Jahren stellte John Mellencamp manchmal den Rock, manchmal den Folk in das Zentrum seiner Scheiben. In der letzten Dekade nahm er fast ausschlie\u00dflich den Folk und die Wurzeln der Roots-Musik in den Blick.<\/p>\n<p>John Mellencamp entwickelte sich vom jugendlichen Rockstar hin zum ernsthaften Songwriter und Folk-Rocker, obwohl bereits seine Texte ab den 1980er-Jahren zum Teil gesellschaftliche Themen aufgreifen oder ein politisches Statement enthalten. So unterst\u00fctzte er den demokratischen Pr\u00e4sidentschaftskandidaten John Kerry und Mellencamps sp\u00e4tere musikalische Kommentare zur Lage der Nation f\u00fchrten zum Boykott seiner Lieder durch konservative Country- und Folksender. Auch im sozialen Bereich engagiert sich Mellencamp: Er initiierte zusammen mit <a href=\"http:\/\/www.sounds-of-south.de\/wordpress\/?s=Willie+Nelson\">Willie Nelson<\/a> 1985 die j\u00e4hrliche Konzertreihe Farm Aid.<\/p>\n<p>Seit einem Herzinfarkt Mitte der neunziger Jahre reduzierte Mellencamp seine Konzert-Aktivit\u00e4ten. Da ich als (fast) alter Mann ja gerne von fr\u00fcher erz\u00e4hle, sei noch angef\u00fchrt, dass ich ihn 1992 in D\u00fcsseldorf live erlebt habe. Damals noch bem\u00fcht, seine \u00c4rmel \u00fcber die Schultern hochzukrempeln, damit man seine T\u00e4towierung sieht, pr\u00e4sentiert sich Mellencamp auf \u201ePlain Spoken \u2013 From The Chicago Theatre\u201c als gestandener und gereifter Mann im dunklen Jackett. Der Kraft und dem rebellischen Geist seiner Songs, von denen mehr als die H\u00e4lfte aus meiner Jugendzeit stammt, tut dies keinen Abbruch.<\/p>\n<p>Die Band, in schwarzen Anz\u00fcgen gekleidet, bietet ein stimmiges Gesamtbild vor dem edlen Ambiente des Chicago Theaters. Die Aufnahmen sind zumeist in einem stimmungsvollen Sepia-Ton gehalten. Die Kamerafahrten begleiten das Geschehen auf der B\u00fchne und im Publikum ohne hektische Schnitte. Die Komposition der Bilder unterst\u00fctzt perfekt die Atmosph\u00e4re der Musik. \u201ePlain Spoken \u2013 From The Chicago Theatre\u201c ist ein audio-visueller Genuss.<\/p>\n<p>Das Konzerts beginnt mit dem beschwingten \u201eLawless Time\u201c und dem folkigen \u201eTroubled Man\u201c von seiner Studio-CD \u201ePlain Spoken\u201c (2014). Danach folgen seine beiden Klassiker \u201eMinutes To Memories\u201c und \u201eSmall Town\u201c, die das Publikum vollst\u00e4ndig mitnehmen. Der \u00fcberwiegende Teil der Konzertbesucher d\u00fcrfte wohl die Erstver\u00f6ffentlichung der Songs bewusst erlebt haben.<\/p>\n<p>Auf \u201eStones In My Passway\u201c legt Mellencamp zun\u00e4chst einige l\u00e4ssige Tanzschritte aufs Parkett und dann den Blues in seine raue Stimme. Andy York steuert hier starke Slide-Gitarrenpassagen bei. Das anschlie\u00dfende \u201ePop Singer\u201c gl\u00e4nzt mit einer Mundharmonika-Einlage von Troye Kinnett. Nach dem zum Tr\u00e4umen einladenden \u201eCheck It Out\u201c erz\u00e4hlt Mellencamp eine nette Episode, die er mit seiner Gro\u00dfmutter erlebte.<\/p>\n<p>Wie andere Zwischenbemerkungen w\u00e4hrend des Konzerts, ist die Erz\u00e4hlung f\u00fcr die CD herausgeschnitten, die ansonsten die gleiche Setlist aufweist wie die DVD. Die Erinnerung an seine Oma leitet zu dem unglaublich intensiven \u201eLongest Days\u201c \u00fcber. Mellencamp greift dabei zur akustischen Gitarre und York unterst\u00fctzt ihn dezent an der zweiten Gitarre.<\/p>\n<p>\u201eThe Full Catastrophe\u201c versetzt in eine rauchige Blues-Bar. Nur vom Keyboard begleitet, dem Kinnett den Klang eines Klaviers gibt, zelebriert Mellencamp den Song. Auf der DVD gibt der Allround-K\u00fcnstler einen Einblick in sein schauspielerisches beziehungsweise theatralisches Talent. Im Video erscheint der Song in Schwarz-Wei\u00df, was dessen Spelunken-Stimmung verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Nach den instrumental reduzierten Beitr\u00e4gen ruft John Mellencamp Carlene Carter f\u00fcr \u201eMy Soul\u2018s Got Wings\u201c auf die B\u00fchne. Mit mehrstimmigem Gesang und einem leicht Country-infizierten Rhythmus feiert die Band zusammen mit dem Publikum das St\u00fcck, das ganz in der Tradition von Woody Guthrie steht.<\/p>\n<p>\u201eOverture\u201c verschafft Mellencamp eine Verschnaufpause. Miriam Sturm an der Geige und Troye Kinnett am Akkordeon performen als Duett den Instrumentaltitel. Beide liefern eine grandiose Leistung w\u00e4hrend des gesamten Konzerts und zeichnen sich f\u00fcr den typischen Sound von Mellencamps Kompositionen verantwortlich. Aber auch die anderen Bandmitglieder spielen \u00e4u\u00dferst souver\u00e4n. Andy York hat bei den kommenden Titeln noch einige hervorzuhebende Momente an der Gitarre. Unauff\u00e4lliger sind Mellencamps langj\u00e4hriger Weggef\u00e4hrte Mike Wanchic an einer weiteren Gitarre, John Gunnell am Bass und Dane Clark am Schlagzeug.<\/p>\n<p>Mittlerweile ohne Jackett z\u00fcndet Mellencamp anschlie\u00dfend ein Feuerwerk seiner Hits. Auf \u201eRain On The Scarecrow\u201c folgen \u201ePaper In Fire\u201c und \u201eAuthority Song\u201c. Das Publikum nimmt sie begeistert auf und zeigt eine beeindruckende Textsicherheit. Mit der Ballade \u201ePink Houses\u201c und dem lockeren \u201eCherry Bomb\u201c geht ein abwechslungsreiches Konzert zu Ende.<\/p>\n<p>John Mellencamp zeigt seine musikalischen Facetten und in den Kommentaren seinen unaufh\u00f6rlichen Drang, sich k\u00fcnstlerisch auszudr\u00fccken. \u201eEvery day of my life I create something.\u201c So beschlie\u00dft Mellencamp seinen Text auf \u201ePlain Spoken\u201c. Die Art und Weise, wie Mellencamp an seinem Schaffensprozess teilhaben l\u00e4sst, ist auf der DVD und der CD wunderbar gel\u00f6st. Mit meiner vollst\u00e4ndigen Begeisterung geht eine uneingeschr\u00e4nkte Kaufempfehlung einher.<\/p>\n<p>Eagle Rock Entertainment hat dem Kleinod mit der sauberen Produktion einen w\u00fcrdigen Rahmen gegeben. Ein pers\u00f6nlicher Dank geht zudem an Universal Music, die das Besprechungsexemplar zur Verf\u00fcgung stellte.<\/p>\n<p>Eagle Rock Entertainment\/Universal Music Group (2018)<br \/>\nStil: Folk Rock and more<\/p>\n<p><strong>DVD:<\/strong><br \/>\n01. Lawless Times<br \/>\n02. Troubled Man<br \/>\n03. Minutes To Memories<br \/>\n04. Small Town<br \/>\n05. Stones In My Passway<br \/>\n06. Pop Singer<br \/>\n07. Check It Out<br \/>\n08. Longest Days<br \/>\n09. The Full Catastrophe<br \/>\n10. My Soul&#8217;s Got Wings<br \/>\n11. Overture<br \/>\n12. Rain On The Scarecrow<br \/>\n13. Paper In Fire<br \/>\n14. Authority Song<br \/>\n15. Pink Houses<br \/>\n16. Cherry Bomb<\/p>\n<p>CD:<strong><br \/>\n01. Lawless Times<br \/>\n02. Troubled Man<br \/>\n03. Minutes To Memories<br \/>\n04. Small Town<br \/>\n05. Stones In My Passway<br \/>\n06. Pop Singer<br \/>\n07. Check It Out<br \/>\n08. Longest Days<br \/>\n09. The Full Catastrophe<br \/>\n10. My Soul&#8217;s Got Wings<br \/>\n11. Overture<br \/>\n12. Rain On The Scarecrow<br \/>\n13. Paper In Fire<br \/>\n14. Authority Song<br \/>\n15. Pink Houses<br \/>\n16. Cherry Bomb<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mellencamp.com\">John Mellencamp<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.facebook.com\/John Mellencamp\">John Mellencamp bei Facebook<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.universal-music.de\">Universal Music<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Review: Michael Segets \u201eDie Leute lieben es, von alten Zeiten zu erz\u00e4hlen. Um von ihnen erz\u00e4hlen zu k\u00f6nnen, muss man allerdings alt sein.\u201c Mit einem Augenzwinkern leitet John Mellencamp den Schluss seines Konzerts im Chicago Theater ein. Zuvor unternimmt er eine packende Zeitreise zur\u00fcck zu seinen Anf\u00e4ngen. 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