The Aristocrats – 24.11.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Im Rahmen ihrer Tour machten The Aristocrats auch einen Stop im Musiktheater Piano in Dortmund, welches wieder einmal ausverkauft war. Schon kurz nach Einlass füllte sich der Saal sehr früh und wie gewohnt betrat das Trio pünktlich um 20 Uhr unter großem Applaus die Bühne. Schon der Bühnenaufbau mit einem Megaschlagzeug mittig im Vordergrund angeordnet, vermittelte den Eindruck, dass alle Musiker in vorderster Front gleichberechtigte Mitglieder der Band sind, was sich im späteren Verlauf auch immer wieder zeigte, als abwechselnd die Songs und deren Hintergründe beschrieben wurden.

Dies war für die Besucher immer besonders interessant, wenn der Lokalmatador, Marco Minnemann an den Drums, der allerdings schon vor vielen Jahren nach Kalifornien ausgewandert war, dies auf Deutsch machte. Es muss allerdings auch gesagt werden, dass Guthrie Govan an der Gitarre und Bryan Beller am Bass sich Mühe gaben und in einem wirklich verständlichen Englisch, ihre Ansagen machten. Diese Kurzbeschreibungen der Songs waren auch von besonderer Bedeutung, da die Band eigentlich ohne Gesang auskommt.

Schon bei „Blues Fuckers“ zu Beginn der Show zeigte sich, wohin die Reise an diesem Abend gehen sollte. Eine Mischung aus Fusion, Jazz, Prog- und Heavyrock, gewürzt mit Country- und Americana-Einflüssen wurde dem begeisterten Publikum geboten. Hier war schon zu erkennen, warum die Bandmitglieder mit Größen wie Joe Satriani oder Steven Wilson die Bühne geteilt haben.

Govan bearbeitete seine Gitarren in einer zuweilen atemberaubenden Geschwindigkeit und und erzeugte dabei aber Melodien, die sich im Thema der Songs wiederspiegelten. Zuweilen hatte man das Gefühl, insbesondere wenn er Wah-Wah-Effekte einsetzte, die Gitarre würde auch den Gesang übernehmen. Bryan Beller stand diesem zuweilen virtuosen Spiel am Bass in keinster Weise nach und spielte neben den Rhythmusparts in vielen Stücken sein Instrument in Solomanier.

Mit viel Humor brachten Sie die ausgiebige Version des älteren Tracks „D Grade Fuck Movie Jam“, für den sie vor Jahren von der amerikanischen Musikpresse zerrissen worden sind, als diese ihn als einen schlechten Song für einen schlechten Porno betititulierte. Musikgeschmack kann eben verschieden sein, wobei eine solche Aussage bei der spielerischen Qualität schon ziemlich despektierlich ist. „Spanish Eddie“ wurde dann von Govan angesagt, der das Lied auch komponiert hat und es ertönten zunächst Flamenco-Töne in der Halle, um sich später mit der gesamten Band in einem Fusion-Gewitter zu entladen.

Nach „When We All Come Together“ erzählte Beller ausführlich, was ihn veranlasste „The Ballad Of Bonnie And Clyde“ zu schreiben. Dieser Song spiegelte seine Gefühle wieder, nachdem zwei Leute Teile seine Equipments gestohlen hatten. Obwohl diese zwar zunächst aufgrund ihrer dilettantischen Vorgehensweise von der amerikanischen Polizei dingfest gemacht werden konnten, sah er aber von seinen Sachen am Ende doch nichts wieder.

Bei „Get It Like That“ hatte Minnemann seinen großen Auftritt, wobei sein Drumspiel schon vorher extraklasse war. In das Stück eingebettet legte er ein Drumsolo hin, welches deutlich machte, warum das Schlagzeug manchmal auch als Schießbude bezeichnet wird. Schlagfolgen, die zuweilen fast schon surreal wirkten, wechselten sich mit der Bassdrum, die das altehrwürdige Piano in seinen Festen wackeln ließ, mit teilweise spielerisch ruhigen Passagen.

Dies war auch der erste Song mit Gesang. Minnemann ließ ein Gummischwein zur Melodie ins Mikro quitschen und Beller am Bass vervollständigte den zweistimmigen Gesang mit einer quitschenden Gummigans. Bemerkenswert, wie Hundespielzeug in eine so komplexe Musik eingebunden werden kann und dabei noch Qualität herauskommt. Beendet wurde der Schlagzeugteil dann mit einer kurzen Passage von „Another One Bites The Dust“.

Nach den bisher zuweilen sehr komplizierten Songmustern wurde es mit „Last Orders“, einer Anklage gegen die englische Kneipenordnung sehr melodiös mit einem Einschlag von Americana. Dass der eigentliche Sinn der Regelung, eine höhere Leistungsfähigkeit der Briten nicht erreicht wurde, zeigte sich spätestens beim Brexit.

In „The Kentucky Meat Shower“ verarbeitet Govan seine Kindheitserinnerungen an ein Bilderbuch, welches er zu Beginn dem Publikum mit Erklärungen zeigte, um danach mit seinen Kollegen Klangcollagen zu produzieren, die unter anderem auch die im Buch dargestellte Explosion widerspiegelten.

Das eigene, naive Fehlverhalten nach einer Tornadowarnung war für Minnemann der Anlass, „Desert Tornado“ zu schreiben. Der Band gelang es fabelhaft die Momente von der Ruhe vor dem Sturm bis hin zu den zerstörerischen Böen ins Piano zu transportieren, um sich danach mit „Flatlands“ zunächst vom Publikum zu verabschieden.

Stürmisch wie die Show waren auch die Zugabeforderungen der Besucher. Im abschließenden melodiösen „Smuggler’s Corridor“ wurde dann die Audienze mit einbezogen, um mehrfach eine Art Refrain anzutönen. Die Besucher scheiterten dann allerdings in dem Moment vokal, als Gitarrist Govan die Stimmlage mit seinem Instrument so hoch vorgab, dass man Angst um die Fenster im Piano haben musste.

Nach etwa 130 Minuten war dann ein beeindruckendes Schauspiel beendet, in dem die drei Musiker offerierten, was spielerisch mit ihren Instrumenten, fernab von jeglichen Mainstream, möglich ist. Ein Dank an das Team vom Piano aber auch an Yvette von Shooter Promotions und die Band für das Entgegenkommen beim Fotografieren.

Line-up:
Guthrie Govan – guitar
Bryan Beller – bass
Marco Minnemann – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

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