Oysterband – 06.02.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Die englische Folk-Rock-Formation Oysterband ist schon seit über 30 Jahren auf deutschen Bühnen unterwegs und auch im Ruhrgebiet hat sie seit jeher regelmäßig Station gemacht. An diesem Abend war man allerdings zum ersten Mal im Musiktheater Piano in Dortmund. Einige Stammgäste waren daher gespannt, wie die „Oysters“ in der Location ankommen würden. Um es vorweg zu nehmen: Das Musiktheater hat sich für zwei Stunden in einen englischen Tanz-Pub verwandelt!

Das fast ausverkaufte Konzert begann pünktlich um 20:00 Uhr mit dem folk-rockigen Einpeitscher „The Shouting End of Life“ vom gleichnamigen Erfolgsalbum (1995). Die Folk-Nummern „By Northern Light“, „Walking Down The Road With You“ und „Where The World Divides“ von der „Meet You There“-LP (2007) setzten diesen mitreißenden Einstieg fort.

Die Band war in hervorragender Stimmung und konnte das altersmäßig gemischte Publikum zwischen den Songs auch durch ihren trockenen, englischen Humor begeistern. So z.B. vor „I Built This House“, als Sänger John Jones der Menge den Refrain erklärte, und preisgab, dass dieser ca. 31-mal variiert.

„Here’s To You“ vom Hit-Album „Holy Bandits (1993) war der typische Folk-Jam-Track, bei dem jedes Bandmitglied ein kurzes Solo einbrachte. Während „Here Comes The Flood“ kam John Jones ins Publikum, um dort mit den Fans gemeinsam zu feiern. Man merkte immer wieder, dass sich die Band eine treue Fangemeinde erspielt hat, die wie selbstverständlich viele Texte begeistert mitsingen konnte, wie bei den nächsten Stücken „All That Way For This“ und „A River Runs“ vom letzten Studioalbum „Diamonds On The Water“ (2014). Mit dem wilden „When I’m Up I Can’t Get Down“ ging es in eine kurze Pause.

Schweißtreibend wurde es anschließend bei „Native Son“ und spätestens nach „20th Of April“ war die Stimmung im Piano mehr als ausgelassen. Den schnellen Songs „Road To Santiago“ und „One Green Hill“ folgte der All-Time-Hit „Everywhere I Go“, bei dem das Publikum den Gesangspart für den Refrain übernahm. Das ironische Hochzeitslied „Blood Wedding“ bildete den Abschluß der regulären Setlist.

Die erste Zugabe war das düstere „We Could Leave Right Now“, mit der von den Fans lauthals geforderten Zeile „Don’t Be Afraid“. Highlight der Konzerte ist seit Jahren die wunderschöne Folk-Ballade „Put Out The Lights“, zu der auch heute Abend die Lichter auf der Piano-Bühne ausgingen.

Obwohl die Wurzeln der Oysterband in der traditionellen, englischen Folk- und Tanz-Musik liegen, hat sie in ihrer Karriere ein umfangreiches, selbstverfasstes Repertoire aufgebaut. So konnte auf der Setlist kaum jeder Fan-Wunsch erfüllt werden. Dieses Mal fehlten z.B. das wilde „Granite Years“ und das sinnliche „Oxford Girl“.

Die Oysterband wurde für ihre kreative, englische Volksmusik vom Musikjournalismus über die Jahrzehnte durchweg hochgelobt. Als Wegbereiter für eine neue Generation englischer Folk-Bands (z.B. Skinny Lister oder Bellowhead) sind sie von der BBC vielfach ausgezeichnet worden. Im rappelvollen Musiktheater Piano performten sie ihre 40-jährige Bandgeschichte mit leidenschaftlicher Spielfreude. Die „Oysters“ sind ohne Zweifel eine der besten und einflussreichsten Gruppen des Folk-Rock Genres – ein fantastischer Konzertabend, der lange in Erinnerung bleiben wird und viele neue Fans verdient hat.

Line-up:
John Jones (lead vocals, melodeon)
Alan Prosser (guitars, vocals)
Ian Telfer (violin, vocals)
Pete Flood (drums, vocals)
Al Scott (bass, mandolin, vocals)
Adrian Oxaal (cello)

Bilder: Adam Zegarmistrz Glagla
Text: Stephan Skolarski

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