A Bowie Celebration – 24.01.2019, Kantine, Köln – Konzertbericht

Bowie_haupt

Schon um 18:30 Uhr hatte sich bei winterlichen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt eine Schlange von Fans vor der Kantine gebildet. Aus den Gesprächen waren Erinnerungen an alte Bowie-Konzerte, aber auch Besuche so genannter Bowie-Coverbands zu hören, welche ganz toll waren. Auf die Qualität von Coverbands werde ich zum Ende des Berichtes noch einmal eingehen. Es kann aber vorab schon einmal gesagt werden, dass die Bowie Celebration nicht dem zuzuordnen ist, was man gemeinhin mit Coverbands verbindet.

Pünktlich, wie eigentlich fast immer, öffneten sich die Türen und die Wartenden strömten in die Halle, um die besten Plätze direkt vor der Bühne zu erhaschen. Direkt am Eingang in der Halle selbst, stand, scheinbar von keinem bemerkt, Carmine Rojas, der langjährige Basser von Bowie, vertieft in einem Smalltalk mit Manny Küsters, den Manager von Ryan McGarvey, einem aufstrebenden Bluesmusiker aus den Staaten, den Rojas am Bass seit etwa zwei Jahren live begleitet und auch auf seiner aktuelle Studioplatte mitwirkte. Nach kurzer Begrüßung, wies mich Rojas noch einmal darauf hin, dass ich nicht versäumen sollte, mir im Frühjahr auch McGarvey anzuschauen, der dann wieder in Deutschland touren wird.

Die in ein Dämmerlicht eingetauchte Kantine füllte sich nun zunehmend zu psychedelischen Klängen wie z. B. „Warzawa“, aus der Zeit, als Bowie seinen Lebensmittelpunkt in Berlin hatte.

Pünktlich um 8:00 Uhr verdunkelte sich der Zuschauerbereich, die Bühne wurde in einem spärlichen Blau ausgeleuchtet und die Musik vom Band verstummte. Zunächst betrat Mike Garson alleine die Bühne, begrüßte kurz die Zuschauer und  setzte sich an sein Klavier am rechten Rand. Er sagte ein paar Worte zum Opener „Disco King“ und begleitete Bernard Fowler, der den Song sehr emotional interpretierte, dabei immer wieder Richtung Himmel schaute und scheinbar mit weit geöffneten Armen versuchte, von dort etwas von der Magie Bowies, in die Kantine zu transportieren.

Es kann vorweggenommen werden, dass dies in den nächsten cirka zwei Stunden eindrucksvoll gelingen sollte, was mit Sicherheit an der hochkarätigen Besetzung der Band lag. Garsen, der charmant und würdevoll immer wieder etwas zu den Songs oder Musikern sagte, war Mitglied der Bowie-Band beim ersten wie auch letzten Konzert in den Staaten. Insgesamt spielte er über 1000 Gigs mit Bowie und war auf über 20 LPs präsent. Wenn der Fronter, der leider viel zu früh verstorbene David Bowie fehlt, muss natürlich ein Sänger her.

Bei der Bowie Celebration entschloss man sich, diesen Ballast auf drei charismatische Sänger zu verteilen, was sich als sehr abwechselungsreich und belebend erwies, da diese nicht versuchten, Bowie eins zu eins zu kopieren, sondern ihrer eigenen Stimme, freien Lauf ließen. Folwer ,ein charismatischer Sänger und Songwriter hatte u. a.  in der Vergangenheit über viele Jahre mit den Rolling Stones, Robert Plant und Rod Stewart gearbeitet, was seinen Stellenwert in der Rockmusik zeigt. Heute, bei etwa einem Drittel der Songs, bewies er, dass an ihm auch ein sehr guter Entertainer verloren gehangen ist. Von gefühlvoll singend, bis über die Bühne springend, füllte er die ganze Bandbreite eines Fronters aus, ohne sich dabei aber zu sehr aufzudrängen.

Nach dem ersten Song betrat unter frenetischem Applaus der Rest der Band die Bühne. Earl Slick, der Bowie schon 1974 bei „Diamond Dogs“, in den folgenden Jahren bei „Live“, „Young Americans“, „Station To Station“ und später bei „Reality“ und „The Next Day“ begleitete, legte mit einem ersten Gitarrenriff den Beginn zu „Rebel Rebel“. Dabei fegte der drahtige Gitarrist – das schloddrige Hemd aus der Röhrenjeans hängend – auf seinen Turnschuhen wie ein Derwisch, immer wieder posend, über die Bühne. Dabei nahm er, wie alle Musiker, immer wieder Kontakt zu den Fans auf, sei es dass er direkt auf Personen im Publikum zeigte oder mit der Gitarre so nah über die Köpfe der ersten Reihe ging, dass diese auch die Seiten hätten anschlagen können.

Die beiden anderen Sänger, Corey Glover und Joe Sumner, unterstützten zunächst mit Backgroundgesang. Corey Glover hatte seine Extraklasse als Gründungsmitglied von Living Colour bewiesen und dieser Joe Summner war kein geringerer als der Sohn des Police-Sängers und Bassisten Sting. Mark Plati, der zweite Gitarrist, spielte das „Earthling“-Album mit Bowie ein und tourte mehrere Jahre mit ihm.

Zu jeder guten Band gehört natürlich eine entsprechende Rhythmus-Sektion. An den Drums glänzte der Multiinstrumentalist Lee John, der nur einen indirekten Bezug zu Bowie hatte. Er ist der Sohn von Seitenwizzard Glenn Slick, was Garson in der Vorstellung dazu veranlasste, humorvoll zu erwähnen, dass es die Nachbarn, bei solch einer Familie, bestimmt nicht leicht hatten.

Last but not least, spielte Carmine Rojas seinen Bass in der von ihm gewohnten Souveränität, welches nicht nur Bowie in der Zeit von „Lets Dance“ bis zu „Glasspider“ inspirierte, ihn in seine Band aufzunehmen. Später spielte er  für  Stras wie Rod Stewart, Tina Turner, Joe Boamassa, sowie aktuell auch für den Newcomer Ryan McGarvey. Wie ich es von Rojas nicht anders kannte, hielt er sich auch an diesem Abend bescheiden im Hintergrund und bearbeitete  routiniert seinen Viersaiter.

Nach dem rasant vorgetragenen „Rebel Rebel“ folgte eine monströse Version von „Moonage Daydream“, die die Halle zum Kochen brachte. Danach hatte der in einem adretten Anzug gekleidete Corey Glover seine ersten Frontgesangparts. „Fame“ und „Young Americans“ interpretierte er stimmgewaltig auf eine eindrucksvoll erfrischende Weise. Dabei bezog er auch immer wieder die beiden Gitarristen ein, umarmte sie und hatte einfach Spaß an der Sache, wie alle anderen Beteiligten auch.

Bei „Space Oddity“ einem Bowie-Stück aus den Anfangszeiten und passend dazu bei „Starman“ hatte dan Joe Strumner seinen großen Auftritt. Er bekam von seinem Vater Sting neben dem Aussehen auch die musikalischen Gene sowie die eines Entertainers in die Wiege gelegt. Als er sich auf der akustischen Gitarre zu „Space Oddity“ begleitete, umwehte die Halle ein Hauch von Melancholie, eine Art erster Höhepunkt. Danach trug Fowler am Mikro nach einem starken Intro von Garson an den Tasten „Lazarus“ vor, welches Bowie auf seiner Platte, kurz vor seinem Tod, veröffentlicht hatte. Ungefähr ab diesem Zeitpunkt hatte Earl Slick, passend zum Anlass, noch ein Tuch mit Motiven des Black Stars um, das er vermutlich von einem Fan aus der ersten Reihe erhalten hatte.

Mit dem folgendem „Five Years“ wurde die Melancholie aus dem Saal gefegt und die Hits „Changes“ und „Stay“ ließen manchen Fan mitschwofen. Beim Gesang wechselten sich die drei Genannten, je nach benötigter Stimmlage, mehrmals ab.

Mit dem balladesk vorgetragenen „Win“, einem eher selten live gespielten Song wurde es wieder ruhiger und Garson gab diesem Song an den Tasten ein traumhaftes Gewand. Das zum Tanzen einladende „Ashes To Ashes“ brachte die Menge dann wieder auf Trab.

Dem zum Ausruhen animierenden psychedelischen „Sweet Thing“, folgte „Aladdin Sane“, wo Garson am Klavier glänzte und den Song mit einem mehrminütigen monumental anmutenden Solo beendete, in dem er klassische Elemente mit Hits wie „Imagine“ von John Lennon verschmelzen ließ, um nicht umsonst in einem an Queen anmutenden Part zu enden.

Was nun folgte, war eine infernalische Version von „Under Pressure“, bei dem sich Fowler und Glover ihre Gesangsparts wie Tischtennisbälle um die Ohren fegten.

Mit den beiden Klassikern „Ziggy Stardust“ und dem rockig vorgetragenen „Sufragette City“ vom legendären „The Rise And The Fall Of Ziggy Stardust“-Album, wurde dann der Endspurt durch die Karriere des David Bowie eingeläutet und passend beendete das hymnische „All The Young Dudes“ zunächst die Show. Die Herren ließen sich aber nicht lange bitten und es wurde ein Lied gespielt, das auf keinem Bowie-Konzert fehlen darf.

Ein galaktisch vorgetragenes „Heroes“ beendete einen Abend, nicht von einer sogenannten Coverband, sondern der David Bowie Band, verstärkt durch Sänger der Extraklasse. Zwei Stunden waren wie im Fluge vergangen und manch einer fragte sich, was noch hätte gespielt werden können oder sollen. Ich denke, die Band hatte eine gute Auswahl getroffen und es wird auch während der Tournee immer etwas variiert.

Was ich persönlich gut fand, dass, ob bewusst oder unbewusst, auf die vermutlich kommerziellsten Erfolgssongs verzichtet wurde, sodass eben nicht der Eindruck eines Greatest Hits-Show entstand, sondern ein gelungener Querschnitt durch alle Schaffensphasen des Chamäleons der Musikgeschichte geboten wurde. In solch einer Zusammensetzung ist es eine absolute Freude, sich diese zum großen Teil alten Tracks, in einem neuen Gewandt anzuhören.

Zur Anfangs gestellten Frage der Qualität von Coverbands fällt mir der Satz meiner Schwester, die mich zu dem Konzert begleitete, ein: „Was war das denn?!“ Die Frage ist mit Absicht mit Ausrufezeichen beendet, da es genau so gemeint war. Heute wurde auf eindrucksvollste Weise der Unterschied einer Band, deren Musiker zu großen Teilen an der vorgetragenen Musikgeschichte beteiligt waren und einer, die es nicht war, deutlich.

Eine Bühnenpräsenz, eine Spielfreude und ein Respekt vor dem verstorbenen David Bowie, der jeder Zeit präsent war, ohne das dies groß formuliert worden wäre. Dieser Abend, den man nicht so schnell vergisst, war kulinarisch gesehen, etwas für Feinschmecker, während so mancher Coveract zwar auch satt macht, aber eben nur auf Mikrowellen-Niveau.

Mein besonderer Dank geht neben Marcus Neu von der Kantine für die Akkreditierung, an das nette Personal, und die Techniker für den vorbildlichen Sound und das größtenteils gute Licht. Natürlich auch an die Bowie Celebration Band für das Geleistete und die Möglichkeit, dies vom Anfang bis zum Ende auch fotografisch begleiten zu dürfen!

Line Up:
Mike Garson – Piano
Earl Slick – Guitar
Carmine Rojas – Bass
Mark Plati – Guitar
Bernard Fowler – Vocals
Corey Glover – Vocals
Joe Sumner – Vocals, Acoustic Guitar
Lee John – Drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

A Bowie Celebration
A Bowie Celebration bei Facebook
Kantine Köln

2 Gedanken zu „A Bowie Celebration – 24.01.2019, Kantine, Köln – Konzertbericht“

  1. Ein sehr guter Bericht und alles stimmt was da geschrieben ist!! Welch ein Konsert. Es war die Reise aus Den Niederlanden absolut wert. Eine kleine bemerkung:Bernard Fowler singt noch immer bei den Stones, schon mehr als 30 Jahre, und nach diese Bowie Celebrations Tour hat er drei Tagen frei um züruck zu fliegen nach England für die Proben der Stones tour 2019. Die Band hat 68 Bowie Songs einstudiert für dieses Project und ändern jeden Abend vier oder fünf Songs. Klasse. Ein denkwürdiger Abend….

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.