Betontod – 06.10.2018, Kantine, Köln – Konzertbericht

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Ein Konzertreview durch Sounds Of South von Betontod! Manch einer wird sich fragen, passt solch ein Bericht in ein Magazin, welches sich eher dem Southern Rock, der Countrymusik und dem Blues Rock zugewandt sieht? Ich kann mich noch an ein Gespräch mit John Illsley, dem Bassisten der legendären Dire Straits erinnern, als er sich nach einem Konzert am Anfang des Jahres,  über die Kategorisierung von Musik ausließ.

Er vertritt die Meinung, das jede Musik ihre Berechtigung hat, solange sie gut gemacht ist. Wenn die Güte davon abgeleitet wird, wie die Fans bei einem Konzert reagieren, kann vorweggenommen schon gesagt werden, dass Betontod an diesem Abend vieles richtig gemacht haben. Ein weiterer Aspekt ist, dass Betontod neben dem Kräuterschnaps Underberg, der Dressurreiterin Isabell Werth und Model Claudia Schiffer der zur Zeit bedeutendste Exportschlager unserer Heimatstadt Rheinberg ist und Kollege Daniel mir jedes Jahr ein paar Ausflüge in musikalische Genres gestattet, die nicht unbedingt unserer primären Zielgruppe entsprechen. Des Weiteren hatte ich mit Eule, vor dessen Karriere in der Musik, eine gemeinsame Zeit im Fußball auf hohem Kreisliganiveau.

An einem schönen spätsommerlichen Abend war schon eine halbe Stunde vor Einlass rund um die Kantine jede Menge los. Auf dem Gelände links von ihr fand eine türkische Hochzeit statt, vor der Kantine sammelten sich die ersten Punk rock-begeisterten Fans und alles war, wie es sein sollte – absolut beschaulich. Dies liegt vielleicht auch daran, dass Betontod sich kategorisch von jeder Form des Rassismus und rechten Gedankenguts, auch sichtlich durch ein Plakat an einem Stand neben der Kantine, abgrenzt.

Pünktlich ab 20:00 Uhr heizte die Alex Mofa Gang als Opener die schon bestens gefüllte Kantine mit punkigen Rock ein und verkürzte so die Wartezeit durch einen gelungenen 45-Minuten-Auftritt, der entsprechend von den Besuchern angenommen wurde. Für die knapp 20 minütige Umbaupause hatten Betontod ein besonderes Schmankerl bereit.

Der Duisburger Butterwegge verkürzte mit Akustikgitarre und humorvollem Smalltalk das Warten auf den Hauptact, in dem Betontod neben live schon bekannten Material, Songs vom kürzlich herausgebrachten Album „Vamos“ präsentieren sollte. Diese war auch als schicke ‚Limited Edition‘ mit einigen Fanartikeln und Bonus-CD am Merchandise-Stand erhältlich.

Gegen 21:00 Uhr betraten dann Betontod die in spärlich blaues Licht in Nebel gehüllte Bühne der mit etwa 900 Besuchern ausverkauften Kantine und nach ein paar Gitarrenriffs der bis dato kaum erkennbaren Band stand dann unvermittelt, von einem hellen Scheinwerfer angestrahlt, der Fronter Meister am Bühnenrand. Ein dramaturgisch gelungener Auftakt für den knapp zweistündigen Ritt durch den Punk Rock der Marke Betontod.

Die meist sehr rasanten punkigen Rocksongs wurden dabei immer wieder durch ruhigere auch zum Nachdenken angelegte Stücke unterbrochen. Fast jeder Track wurde entweder von Gitarristen Frank „Eule“ Vohwinkel oder Sänger Meister anmoderiert und es wurde den meist jüngeren Gästen auch manch mahnendes Wort zur heutigen gesellschaftlichen Situation mitgegeben. Dies führte nach einer Ansage zu einem mehrminütigen ‚Nazis raus‘-Skandieren der Fans.

Insgesamt kann man sagen, dass die fünf Rheinberger den Punk mit Rockeinschlägen perfekt beherrschen: Der Meister, welcher charismatisch und gesanglich leicht an Campino erinnert, suchte oft die direkte Nähe zu den Fans und fand sie auch. Eule und Mario an den Gitarren, bearbeiteten ihr Arbeitsgerät zuweilen dreckig punkig als auch in Metalmanier. Bassist Adam, fegte zuweilen wie ein Derwisch über die Bühne und überzeugte auch durch Posing. Der spielerisch starke Drummer Maik, der seit seinem Einsteigen in die Band, die Güte der Rhythmussektion stark verbessert hat, ist ein klarer Gewinn für das Quintett, was sich vor allem in einem viel voluminöseren Sound wiederspiegelt.

Diesen brachte mein Kumpel Heiko am Mischpult für die Fans entsprechend rüber. Die Besucher brauchten trotzdem nicht um ihre spätere Hörfähigkeit bangen…

Das Konzert brachte alles, was der Punk-Fan erwartet. Stickige verschwitzte Luft, das Tragen von Fans über die Masse, Pogen, Tanzen und Mitsingen.

Das hatte zur Folge, dass der eine oder andere Fan über den Graben an die Sanitäter übergeben werden musste, sich aber nach entsprechender Flüssigkeitszufuhr und kurzer Ruhe schnell wieder erholte. Die Bandmitglieder hatten dies auch schnell erkannt und die für sie bereitgestellten Wasserflaschen direkt an die Fans in den ersten Reihen weitergegeben und auch aus dem Backstage-Bereich einige Male Nachschub geordert.

Nach fast 100 Minuten verließ die Band dann auch sichtlich geschafft das Podium, auf dem eher tropisches Klima herrschte, um für drei frenetisch geforderte Zugaben noch einmal der Kantinenmeute einzuheizen. Nach dem obligatorischen Bandfoto vor der Publikumsmasse nahm der Applaus nicht ab und zu den Klängen von „Heidewitzka Herr Kapitän“ tanzten und verabschiedete sich Betontod über mehrere Minuten von den Besuchern, die auch nachdem Verlassen der Protagonisten noch einige Zeit weiterfeierten.

Als Fazit kann gesagt werden, dass es ein begeisterndes Punk Rock-Konzert war, das keine unzufriedenen Gäste zurückließ und trotz der punkig-ausgelassenen Stimmung, auch durch das disziplinierte Verhalten der Fans und die umsichtige, immer freundliche Art der Security, keinerlei negative Randerscheinungen hinterließ.

So macht Punk einfach Spaß und hat, um nochmals auf die zu Anfang zitierte Aussage Illsleys zurückzukommen, immer seine musikalische Berechtigung. Betontod wird in anderen Städten die Herbsttour fortsetzen. Ein Dank geht an Eule und das Tourmanagement, das kurzfristig für eine Akkreditierung in den ausverkauften Kantine sorgte und auch Fotos von der Bühne aus zuließ!

Line-up:
Frank „Eule“ – Gitarre
Meister – Gesang
Ado – Bassisten
Mario – Gitarre
Maik – Schlagzeug

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Kantine Köln

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